| "Pinkerton nannte Cio-Cio-San eine amerikanische Veredelung eines japanischen Produktes, eine amerikanische Verbesserung, an einem japanischen Original und ähnliches mehr. Er kannte sie ja ausgezeichnet, und so wurden seine Worte über sie immer mehr maßgebend." Puccinis Musik zu "Madama Butterfly" enthält eine kulturelle Begegnung mit tragischem Ausgang. Der Sinn dieser Oper liegt in dem fatalen Schock, den das Aufeinandertreffen zweier extrem unterschiedlicher Kulturen und ihrer Vertreter, dem Amerikaner Pinkerton und der Japanerin Cio-Cio-San, mit jeweils anderen Bezügen zur Welt, auslöst.
Puccinis "Butterfly" thematisiert demzufolge eine humane und eine politische Frage: Was passiert, wenn in eine streng geordnete Welt mit stark introvertiertem Wesen – es heißt, das Innenleben der Japaner sei achtfach eingezäumt – eine extrovertierte, fortschrittsgläubige Zivilisation einbricht? Was geschieht weiterhin, wenn ein Mensch (Butterfly) seine Identität bis zur völligen Preisgabe seiner selbst aufgibt, um sich, aus dem Gefühl der Liebe heraus, einem anderen Menschen (Pinkerton) total anzupassen, sich ihm auszuliefern, in dem Glauben an die Überlegenheit dieser Kultur?
Cio-Cio-Sans Verhängnis ist der Bruch mit der Tradition, dem sie emotional jedoch gar nicht gewachsen ist. Butterfly, die durch ihre Beziehung zu Pinkerton alle Brücken zu ihrer Familie und den japanischen Traditionen abgebrochen hatte, kehrt dann – mit dem Selbstmord – zu ihrer japanischen Tradition zurück.
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