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Christian Tepe über Paul Dukas’ Oper „Ariane und Blaubart“ am Bremer Theater

Christian Tepe in der Virtuellen Kulturregion

Vernunft und Güte - vergeblich

Paul Dukas’ Oper „Ariane und Blaubart“ als Geschichte der missglückten Frauenemanzipation am Bremer Theater

Wenig schmeichelhaft dürfte für viele Frauen und für das männliche Geschlecht ohnehin sein, was Konstanze Lauterbach in ihrer Neuinszenierung von Paul Dukas’ sehr zu Unrecht kaum gespielter Oper „Ariane und Blaubart“ am Bremer Theater ans Tageslicht bringt.
In Dukas’ eigenwilliger Blaubart-Adaptation auf ein Libretto von Maurice Maeterlinck hat der Ritter seine Frauen nicht ermordet. Sie harren stattdessen in einem Kellergefängnis seines Schlosses aus. Als seine neue Frau Ariane einen beherzten Befreiungsversuch unternimmt, scheitert sie an der Hörigkeit ihrer Geschlechtsgenossinnen gegenüber einem Mann, der längst seine körperliche und seelische Macht eingebüßt hat. Die Angst der Menschen vor den Mühsalen der Individuation verstellt ihnen den Weg in die Freiheit und ist der sicherste Garant für die Verewigung ihres Leidens. Eine bittere Wahrheit und ein großer Stoff für eine Aufklärerin aus Verzweiflung wie Konstanze Lauterbach.

Der Regisseurin ist ohne oberflächliche Aktualisierungsversuche eine Maßstäbe setzende Zeitdiagnose gelungen. Von ihrer Fähigkeit ebenso schockierende wie aufrüttelnde, stets minutiös auskomponierte Tableaus in Szene zu setzen, macht Konstanze Lauterbach eindrucksvollen Gebrauch. So zu Beginn des 2.Aktes, wenn Ariane und ihre Amme in das Untergeschoss des neosymbolistisch verrätselten Betonbunkers (Bühne: Kathrin Frosch) hinabsteigen und dort der chorisch verstärkten Frauenopfer Blaubarts ansichtig werden: Verstörte, auf nervöse Ticks reduzierte Gestalten, in ihrer flatterhaften Verängstigung eher scheuen Tieren als Menschen ähnlich. An Seilen befestigte Frauenkörper schweben darüber scheintot im Raum. Ein alarmierendes Schauerbild von ungeheuerer tiefenpsychologischer Suggestionskraft.

Nachdem es Ariane endlich geschafft hat, die Frauen ans Licht zu locken, vermögen diese nur kurz und zaghaft ihr Glück zu genießen, schon erstickt ihre Solidarität in Boshaftigkeiten und Häme. Nach der Rückkehr eines durch die Schläge der Bauern und Arianes unterdrückte Liebe domestizierten Blaubart gleichen sie sich abermals jenen synthetischen, willenlosen Geschöpfen an, wie sie heute von den Titelblättern diverser Frauenzeitschriften leblos herablächeln. Konstanze Lauterbach zeigt wie Frauen daran zerbrechen, dass ihr Bild von sich selbst auf das Abstraktum männlicher Wunschphantasien heruntergekommen ist

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