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Christian Tepe über Madame Butterfly 1

Christian Tepe in der Virtuellen Kulturregion


"MADAMA BUTTERFLY REHABILITIERT"
Werner Schroeter inszeniert in Bielefeld Puccinis „Tragedia japponese“ mit einer unvergleichlichen Karine Babajanyan als Cio-Cio San

Für Frank Thieß ist sie die „Tragödie der verlassenen Frau schlechthin“: Puccinis Oper um die liebende Japanerin, die zum Opfer des sexuellen Zeitvertreibs eines amerikanischen Marineoffiziers namens Pinkerton wird und sich über Jahre in Sehnsucht nach dessen Rückkehr verzehrt, welche dann auch wirklich stattfindet – allerdings in Begleitung von Pinkertons amerikanischer Frau und mit dem Ziel, sein mit Butterfly gemeinsames Kind nach Amerika zu holen. Im Urteil der Fachwelt ist das Werk bis heute umstritten geblieben. Immer wieder werden die Vorwürfe der Süßlichkeit und des Sentiments bemüht und ist von der „Wirkung auf die Tränendrüse“ die Rede, „die Puccini meisterhaft anbahnt und erreicht.“ (Weißmann)

Ein Blick in die Partitur offenbart für den ersten Augenschein in der Tat ein irritierendes Nebeneinander von scheinbar Trivialem und von musikdramatischen Eingebungen, die in der Literatur ihresgleichen suchen, so etwa in der Mitte des zweiten Aktes, wenn Konsul Sharpless in der Briefszene Cio-Cio San mit dem Gedanken der Treulosigkeit Pinkertons konfrontiert: Butterflys Reaktion wird zunächst von einem alarmierenden Ostinato begleitet, das sich zerstörerisch in ihre Seele hineinschraubt. Nach dieser unübertrefflich ausdrucksstarken Sequenz präsentiert Butterfly unter plakativem Gedröhn des Liebesmotivs dem Konsul ihr Kind, das Unterpfand ihrer Liebe; eine Szene, die Weißmann zu der höhnischen Bemerkung veranlasste: „In diesem Augenblick, Puccini weiß es, werden sich die Augen der Frauen in der ganzen Welt unweigerlich feuchten.“ Kurz darauf mündet die Musik in die aschfahle Agonie der an das Kind gerichteten Arie Butterflys „Che tua madre…“, die nun wiederum jeder Unterstellung von Süßlichkeit spottet.

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