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Christian Tepe über die Bielefelder Operngala

Christian Tepe in der Virtuellen Kulturregion
Belcanto-Innigkeit und Verismo-Feuerwerk

Operngala am Theater Bielefeld

Für Parteigänger des Musiktheaters bleibt die Operngala eine ästhetisch zwiespältige Veranstaltung: Die aneinander gereihten Arien, Duette und Chorsätze verlieren durch ihre Isolation vom szenischen und musikalischen Kontext einen erheblichen Teil ihrer Suggestionskraft. Eine Reise von Bellinis „Norma“ bis zu Giordanos „Andrea Chenier“ verlangt neben den Sängern auch den Zuhörern ein schnelles Umschalten zwischen grundverschiedenen musikalischen Ausdruckscharakteren ab. Das Nebeneinander des Disparaten droht das Einzelne zu entwerten. Wenn jedoch ein Stadttheater seinem Publikum mit einem so hochkarätigen Opernensemble aufwarten kann wie die Städtischen Bühnen Bielefeld, dann bringt dies alle ästhetischen Bedenken, die sich zum Thema Operngala vortragen lassen, zum Verstummen. In Bielefeld ist als Resultat einer hervorragenden Ensemblepflege die Anzahl der auch überregional geschätzten Sängerinnen und Sänger gar so groß, dass gleich zwei Galavorstellungen mit unterschiedlicher Besetzung und separatem Programm angeboten werden können.

Mit einem italienischen Abend präsentierte sich jetzt die erste Staffel dem Publikum, zu der auch Ki-Chun Park als Gast aus Hannover hinzugestoßen war. Die spektakulären Einlagen des Tenors beziehen ihren besonderen thrill vor allem aus den reißerisch dargebotenen Acuti, etwa zur Stretta des Manrico oder zur Arie des Kalaf aus Puccinis „Turandot“(„Nessun dorma“). Darüber hinaus bleibt sein dynamisch zu wenig differenzierter Vortrag bisweilen in einem martialischen Ausdruck stecken. So könnte sein Rodolfo im Duett „O soave fanciulla“ noch um einige Nuancen wärmer und zärtlicher klingen und sein Kalaf besitzt wohl die Entschlossenheit, nicht aber die innere Glut, die die eisumgürtete Prinzessin Turandot in eine liebesfähige Frau zu verwandeln vermöchte. Doch immerhin hört man so sichere Spitzentöne, wie sie Park zu bilden vermag, nicht alle Tage. Zusammen mit Karine Babajanyan als Maddalena entfacht Park im Schlussduett von Giordanos „Andrea Chenier“ ein hell leuchtendes Versimo-Feuerwerk.

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