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Christian Tepe über Lehárs

Christian Tepe in der Virtuellen Kulturregion

Nostalgisches Aroma

Hellmuth Matiasek inszeniert Lehárs „Lustige Witwe“ für das Bremer Theater

Versteht man die Operette nicht nur als Sittengemälde ihrer Entstehungszeit, sondern gerade auch als Spiegelfläche für gesellschaftliche Stimmungen der jeweiligen Aufführungsepoche, so kann man die Neuproduktion von Lehárs „Lustiger Witwe“ am Bremer Theater in ihrer naiven Treuherzigkeit als einen Vorgriff auf die wertkonservativ touchierte und zukunftsscheu-sentimentale Gefühlskultur lesen, wie sie sich gegenwärtig herauskristallisiert. Das erotische Abenteuer, das anrüchig erscheinende Spiel mit den Emotionen anderer Menschen, Frivolität und Launenhaftigkeit spielen bei Regisseur Hellmuth Matiasek zu Gunsten einer nostalgischen Welt mit überaus liebenswürdigen Charakteren nur die zweite Geige.

Allein Dunja Simic als Hanna Glawari behauptet darstellerisch und vokal den Reiz des Mondänen, des faszinierend vieldeutigen Rätselwesens Frau, während Armin Kolarczyk (Danilo) von Anfang an ein aufrichtig-gradliniger, sympathischer Charmeur ist, zu dessen endgültiger Domestikation es für Hanna eigentlich aber nicht nötig gewesen wäre, gleich das ganze Maxim in ihr Palais bauen zu lassen. Ähnlich stellt Nadine Lehner eine einnehmend süße Valencienne vor, der man durchaus auch schon vor dem 3.Akt ihre Herkunft aus dem Grisettenmilieu anmerkt; weniger stark ausgeprägt ist dagegen bei ihrem Porträt einer Diplomatengattin die bezaubernde Lust an der Pflege der eigenen Psychoneurose. Als unbeholfen-sensiblen Schwärmer typisiert Benjamin Bruns ihren Verehrer Camille de Rosillon

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