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Thomas Gerwin gerwin7

Thomas Gerwin

Über akustische Ökologie und integrale Kunst
Zum Entwurf einer zeitgemäßen Musik

Wir leben in einer Symphonie. Wir sind umgeben von Klängen, Rhythmen und Melodien. Jedes Rascheln eines Blattes im Wind, jeder Schritt auf der Straße, das Bellen eines Hundes, ein Lachen nebenan, das Klappen einer Tür. Aber auch jedes Motorengeräusch, jeder Preßlufthammer, eine Kreissäge, sogar das Kofferradio unseres Nachbarn ist Teil des einen großen, niemals endenden Musikstückes in dem wir leben. Und wir hören ihm zu - immer, wir können unsere Ohren nicht verschließen wie unsere Augen. Noch bevor wir denken konnten, hörten wir bereits.

Zunächst und zumeist hören wir Geräusche, "Klänge des Alltags", die uns warnen, die uns beruhigen, die uns erregen oder entspannen oder die ganze Geschichten erzählen und - die uns erfreuen oder stören. Jeder dieser Umweltklänge repräsentiert bestimmte Ereignisse oder Sachverhalte und genau wie bei diesen kann man Unterscheidungen treffen wie angenehm oder unangenehm, nützlich oder unnütz, aufbauend oder zerstörerisch, interessant oder langweilig.

Den unglaublichen Reichtum der Alltagsklänge als "pures" Klangereignis zu entdecken und zu untersuchen, war Pierre Schaeffers Verdienst, seine Arbeit war die Grundlage aller weiteren Entwicklungen der elektroakustischen Musik.

Allerdings muß man ihm heute in zwei Hauptpunkten widersprechen, zum einen bemühte er sich, die aufgezeichneten Geräusche völlig wertfrei, quasi "objektiv" zu betrachten und kategorisieren und zum zweiten ging er (dies sein romantisches Erbe) davon aus, ein Geräusch müsse erst von seinem konkreten Bedeutungsgehalt "befreit" werden, um "rein musikalisch" verwertbar sein zu können (er hatte also eine Idee davon, was Musik "eigentlich" sei).

Von diesem geschichtlichen Ballast befreite uns John Cage, von Konventionen, ja sogar von der Enge und Vorhersehbarkeit der eigenen Intention. Er erreichte dies nicht nur durch die Originalität seiner Werke, sondern vor allem durch seinen philosophischen Ansatz des Geschehen-Lassens, seinem umfassenden Respekt vor der Freiheit der Welt und ihren Klängen, sowie seinem Begriff von "Stille".

Dies, zusammen mit dem Entwurf einer "sozialen Skulptur" von Joseph Beuys und dem dezidiert ökologischen Aspekt des "soundscape" von Richard Murray Schafer, prägte den hier vorgestellten künstlerischen Ansatz. Mittlerweile verstehe ich insgesamt meine Arbeit als die Aufgabe, diese unterschiedlichen Aspekte weiterzuentwickeln und vor allem, künstlerisch zu integrieren.

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