|
Je nach Idee und Intention entstehen so gleichwertig konzertante Werke, sprich: sich
besonders im Parameter Zeit entwickelnde Strukturen, ebenso wie sich zeiträumlich
entfaltende Klang-Skulpturen oder auch Klang-Räume (mehr raumzeitliche Gebilde).
Meistens interessiert mich dabei die inhärente Musikalität und Ästhetik
der Geräusche/Klänge und ihrer Verbindungen im Klang der Welt selbst (dies
möchte ich sich frei ereignende Musik nennen), mit seinen nichtintentionalen,
irregulären, großzyklischen, natürlichen Rhythmen, Klangbildungen und
Formverläufen. Diese werden dann von mir "wahrgenommen" d.h., die Essenz, das
Eigentliche wird durch Komposition und/oder (dies wiederum von Karlheinz Stockhausen
geprägt) Dekomposition herausmoduliert, verdeutlicht, hörbar gemacht. In diesem
Sinne muß (oder kann?) eigentlich nichts neu erfunden werden - alles ist doch
bereits da, es muß nur gefunden werden. Die eigentliche Kunst besteht in der
Wahrnehmung.
Das bedeutet für die Musik, integrieren durch offenlegen und dabei Respekt zeigen vor
dem (konkreten oder artifiziellen) Klang, von dem ich wie Pierre Henry glaube, daß er
wie ein Wesen ist, auf die Welt kommt, lebt und stirbt. Es gibt eigentlich keinen
prinzipiellen Grund, sich auf konkrete Klänge in der Musik zu beschränken, zumal
"rein" künstlich erzeugte Klänge in der Regel wesentlich durchlässiger
(permeabel, wie dies Gottfried Michael Koenig nennt),
deshalb leichter abstrakt komponierbar sind und nicht so eigenwillig, zeitweise
störrisch wie konkrete. Nur sind die natürlichen musikalischen SUBJEKTE
(nicht nur Objekte, wie Schäffer sie nennt), mit denen es umzugehen und
auszukommen gilt, oft klanglich und persönlich einfach interessanter.
|
 |
Einerseits "bedeuten" konkrete Klänge etwas, d.h. sie referieren auf reale
Gegebenheiten und können deshalb Geschichten erzählen, andererseits
können sie z.B. durch Wiederholung, Rhythmisierung oder auch andere,
elektroakustische Manipulationen wie Filtern, Herumdrehen, Hüllkurvenveränderungen,
etc. (aber auch bereits durch den "Hörwinkel"; in diesem Zusammenhang ist das
Mikrophon für mich kein Ohr, sondern bereits ein Instrument) ihren konkreten
Sinn völlig verlieren und reines Klangereignis werden. Besonders reizvoll aber
ist natürlich immer der Zwischenbereich, die Ambivalenz zwischen Klang und
Geräusch und - zwischen Bedeutung und "reinem" Klang.
So sind im Prinzip alle meine jüngsten Komposition Artefakt und ebenso (mehr oder
weniger paradigmatisch) Dokument einer bestimmten Zeit, bestimmter Situationen und eines
bestimmten Ortes. Sie wollen lustvolles Hören evozieren und gleichzeitig durch
Sensibilisierung aufmerksam machen auf Belange der Welt, auch auf die akustische
Umweltverschmutzung und damit auf die Art, wie wir mit der Welt und miteinander umgehen.
Diesen Ansatz einer Näherung an die Welt durch Integration möchte ich integrale
Kunst nennen. Eine Kunst zudem, die ihren Platz im Leben der Menschen sucht
- künstlerisch/künstliches Konstrukt und gleichzeitig Reflexion des
alltäglichen Lebens, ästhetisches Vergnügen und Gegenentwurf zur
eingefahrenen Wirklichkeit in einem.
weiter bitte
|