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Wir wissen heute, daß "die zehntausend Dinge" kybernetisch zusammenhängen,
daß alle Kräfte sich gegenseitig beeinflussen. Im auch kommunikationstechnisch
vernetzten "Global Village" sind singuläre Lösungen prinzipiell nicht mehr
möglich. Jede Aktion muß als Bewegung in einem vieldimensionalen Netzwerk
verstanden werden, in dem eine Bewegung aus verschiedenen anderen resultiert bzw. diese
in Gang setzt. Und so verstehe ich mich eben auch als Teil der Gemeinschaft und versuche,
mit meinem künstlerischen Werk einen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben zu leisten.
Man braucht nicht die Kunst in das Leben zu entgrenzen, denn sie ist ja bereits integraler
Bestandteil der Welt - auch dies zu erkennen, ist lediglich eine Frage der Wahrnehmung. Ich
glaube, daß der Künstler immer schon nichts anderes tun konnte, als seine Sicht
der Welt zu schildern und neue Ideen zur Veränderung der Wirklichkeit einzubringen. Der
Künstler verändert die Welt, indem er sie reflektiert. Da nun heute die
ökologische Problematik (die Notwendigkeit, Bala nce zu erzielen zwischen
unterschiedlichsten, sich gegenseitig beeinflussenden Parametern) praktisch alle
Lebensbereiche durchzieht, schwingt dies logischerweise auch in einer reflektierten
Kunst mit. Und so wiederum hat Musik mit akustischer ÖÖkologie zu tun und denkt
diese mit. Kunstschaffen also auch als lustvolles Wahrnehmen gesellschaftlicher
Verantwortung.
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Aber nicht nur aus gesellschafts- und umweltpolitischem Blickwinkel halte ich die
Entwicklung einer integralen Kunst für folgerichtig, eine "UmweltKlangKomposition"
kann auch aus historischer Sicht begründet werden.
Wir wissen, daß ein natürlicher "Ton" (physikalisch natürlich Klang,
hier aber volkstümlich so genannt, um den Unterschied zum Geräusch zu betonen)
aus einer Vielzahl von Teiltönen besteht. Diese bilden zunächst im unteren,
leicht hörbaren Bereich eben die einfachen, ganzzahligen Proportionen zu dem Grundton,
die in den Anfängen der Polyphonie als "Konkordanzen", etc. galten. Je höher
hinauf wir allerdings in dem Obertonspektrum eines "Tones" vordringen, desto
unregelmäßiger und enger folgen die Teiltöne aufeinander, bis man im
obersten Bereich auf den Geräuschanteil stößt, diesen unwägbaren
aber eminent wichtigen Teil eines "Tones", an dem man z.B. heraushören kann, ob man
gerade einer Stradivari oder einer 0815-Geige lauscht. Nun könnte man die Geschichte
der Musik auch unter dem Aspekt einer fortschreitenden Erforschung der Klänge
betrachten, sowie damit einhergehend, einer zunehmenden Ausdifferenzierung unseres
Gehörs. Und ziemlich logisch ist man unter diesem Blickwinkel mittlerweile dann bei
einer "Geräuschmusik" angekommen, sprich: man komponiert heute gleichwertig mit
"Tönen", Mehrklängen und Geräuschen und deren einfachen bzw. diffizilen,
gar irregulären Obertonspektren sowie (analog dazu) mit ganz einfachen, metrischen,
sehr komplexen oder gar absolut freien rhythmischen Strukturen.
weiter bitte
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