| Mord bei der Majolika
Blut geleckt hat offenbar Bernd Leix, einst Förster im Hardtwald, jetzt im Schwarzwald unterwegs und zwar am Krimi-Schreiben. Der Saft war süß. Sein neuester Karlsruhe-Krimi „Zuckerblut“ und ist deutlich routinierter geschrieben als sein Debut-Roman. Immer noch pflegt Leix einen altbackenen Stil, der zur Kommissar Oskar Lindt (und damit wohl zu Karlsruhe) hervorragend passt. Das Breite-Kordhosen-Klischee wird voll bedient, daneben rechnet Leix/Lindt mit dubiosen Juristen ab. Die Leiche entpuppt sich als Spitze des Eisberges in Sachen Spendenschieber-Sumpf. Der Titel „Zuckerblut“ bekommt mit der Zeit eine neue Bedeutung. Das liest sich leicht, ist auch nicht schwer verdaulich und hat trotz Karlsruhe-Hintergrund einen Anflug von Poesie. Die schönste Szene: Lindt träumt unter einem Baum im Schlossgarten. Allerdings: Reichlich Redundanz im Buch, ein geübter Lektor hätte 120 Seiten gestrichen – viel Papier für’s Geld. Bernd Leix, "Zuckerblut", Gmeiner-Verlag, 325 S, 9,90 Euro hs
Wunsch und Wirklichkeit Indien – ja, da wollten wir doch alle einmal hin. Wenige haben es geschafft. Katja Henkel, Karlsruher Autorin und Journalistin, die jetzt in Hamburg lebt, war dort und hat gründlich recherchiert: "Die Anderen" heißt ihr jüngstes Werk. Vor dem Hintergrund des planlosen Strandlebens bei Goa spielt sich Unerklärliches ab. In Romy verwischen sich offenbar die Grenzen zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Sie kommt mit den Anderen in der Gruppe so gar nicht auf die Reihe, bleibt die Außenseiterin, bis sie nicht mehr anders will. Katja Henkel hat damit einen spannenden Entwicklungsroman klassischen Zuschnitts geschaffen, in den der ganze europäische Literatur-Bildungskanon hineinspielt (mit der Erfahrung Jack Kerouacs). Schön und ohne Schnörkel geschrieben. Sie kann’s, wie das Zitat zeigt: „Immer sind ein paar Sekunden, bevor etwas geschieht, die besten. Diese kurze Zeitspanne, in der alles möglich ist.“
Katja Henkel, "Die Anderen“, Klett-Cotta, 224 S., 19,90 Euro hs
Wenn der reiche Onkel kommt „Deutsch für Amerikaner“ ist einer der grandiosesten Sketche Tucholskys. Leider wird man Proben daraus – „Sie sind ein Süßherz, mein Liebling, tun Sie so?“ - in Karlsruhe nicht mehr hören. Dafür sorgt ein zweisprachiges Werk (so Amerikanisch eine Sprache ist), das viel Geschichte, aber auch Lebensart vermittelt. Vor allem aber geht es um die zahlreichen Verbindungen der Region über den großen Teich: Den Fächerstadt- (und Quadratestadt-)Grundriss Washingtons, den Nachbau des Karlsruher Schlossturmes in Maryland, Carl Schurz, Friedrich Hecker und Buffalo Bill. Die aktuellen wirtschaftlichen Bezüge werden ebenso dargelegt. Volker C. Ihle zeigt viel Durchblick und hat noch reichlich Material für einen Folgeband. Wer will, kann damit auch auf amüsante Weise seine Sprachkenntnisse aufforsten, falls einmal der Erbonkel Besuch ankündigt.
Volker C. Ihle, „Karlsruhe und die USA“, 120 Seiten, 10 Euro hs
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