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Kunstmonat Juni 2009

Zeit für Kunst im Juni 2009

"Kunstwerke sind Picknickplätze" | Ein Gespräch mit François Morellet

Beitrag des Museums Ritter zur Ausstellung vom 17.05. – 27.09.2009: François Morellet - Die Quadratur des Quadrats - Eine Introspektive


Gerda Ridler:
"Könnte ich mich eingangs nicht erst einmal darüber wundern, dass so oft von den Künstlern verlangt wird zu schreiben und so selten von den Kunsthistorikern zu zeichnen?"
Obwohl ich dieses Zitat von Ihnen kenne, lieber François, möchte ich Sie dennoch herzlich bitten, die folgenden Fragen zu beantworten:
François, Sie sind einer der wichtigsten Vertreter der Geometrischen Abstraktion und seit den frühen 1950er Jahren einer ihrer Hauptakteure. Wo sehen Sie selbst Ihren Platz innerhalb der Konkreten Kunst?

Wolfgang Gießler im SWO | Kunstportal Baden-Wuerttemberg

Bild oben: François Morellet: Geométree No. 100, 1985

François Morellet:


Eigentlich bin ich kein Anhänger seriöser, didaktischer Kunst.


Bevor ich sage, wo ich meinen Platz in der Konkreten Kunst sehe, möchte ich darüber sprechen, welchen Platz die Konkrete Kunst in den Ländern einnimmt, die sich für abendländische Kunst interessieren. Die ersten Plätze belegen die Schweiz, Deutschland, die Beneluxländer, Brasilien, Argentinien und Venezuela, dann folgen die Länder, in denen man davon gehört hat, wie Italien oder die nordischen Länder, und schließlich jene Länder, in denen die große Mehrheit der Kunstliebhaber noch nie etwas davon gehört hat. Frankreich gehört zu dieser dritten Gruppe. Ich glaube, in der Schweiz und in Deutschland hält man mich für so etwas wie einen Außenseiter der Konkreten Kunst. Manche meiner Werke, wie „La géométrie dans les spasmes“, „cul con non nul“, „RECREATIONS“ und „Après réflexion“, sind tatsächlich viel eher mit Dada als mit Max Bill verwandt. Eigentlich bin ich kein Anhänger seriöser, didaktischer Kunst. Die Vorstellung, die man sich von mir in Zürich oder in Rio de Janeiro macht, ist mit Sicherheit sehr verschieden.

Gerda Ridler:
Sie haben zu Beginn Ihrer künstlerischen Laufbahn, im Jahr 1953, ein für diese Zeit sehr radikales und rigoroses Bild gemalt: „16 carrés“ – eine weiß bemalte Holzoberfläche, die von drei vertikalen und drei horizontalen Linien in 16 Quadrate geteilt wird. War das Ihre erste Liebe zum Quadrat? Und nun steht Ihre Ausstellung im MUSEUM RITTER unter dem Motto "Die Quadratur des Quadrats". Was bedeutet dieser ironische Titel für Sie?

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