| Der Debutband dieser Autorin Daniela Hättich kreist um das Zu-sich-selber-Kommen, ihre Gedichte haben immer mit dem Blickwinkel zu tun: Wie wird Welt gesehen, wie wird meine Welt gesehen, wie komme ich durch in meiner Welt?
„meine augen durch deine“ heißt das Buch, und dieser Titel ist Thema: „Der Mensch wird am Du zum Ich“, diese Einsicht Martin Bubers stellt die Autorin an den Anfang ihres Buches, und irgendwie haben ihre Gedichte und kurzen Prosatexte auch mit den Variationen Frisch`scher Prägung zu tun: Geschichten anziehen wie Kleider, Identitäten anderer Menschen annehmen, um zur eigenen Identität zu finden.
„Wann hört etwas auf, das wollte ich klären auf dieser Reise, auf dieser Flucht“ – einer der zentralen Sätze des Buches kommt gleich zu Anfang in dem kurzen Text, der beginnt mit dem Satz: Zu Ende. „Nur keine Menschen, nur keine Nähe“ beschreibt sie die Angst des modernen Menschen, der aber immer wieder, doch Hoffnung gebend folgt: „Dann doch“ ... Wundervolle Bilder findet sie, die Autorin für diese Einsichten ganz eigener Art: „der Raps blüht bis zu den Fingerspitzen“.
Auch und vielleicht gerade die Gedichte vermitteln ein Gefühl, In-der-Zeit zu leben; Gedichte, die gefangen nehmen, die auffordern, wieder und immer wieder gelesen zu werden: "atem geben. wärme ohne winter geben/ vergeben dir leben geben/ mich zugeben nicht vergeben/ dich und mich nie/ aufgeben ...". Immer haben diese Gedichte mit Beziehung zu tun, ob sie damit spielen, weiß ich als Leser nie recht, aber immer packen sie mich in meinem Innersten: "dich und mich/ nie verlieren/ und doch mich in dir/ verlieren."
„dass wir/ morgen dann schon nicht mehr sind/ woher den mut/ bei so viel ohnmacht.“ Daniela Hättich geht ganz nah an die Grenze des Unaussprechlichen – und gerade das reißt in den Sog ihrer Lyrik, ihrer Texte. Lesen, wieder, wieder lesen ...
Daniela Hättich: meine augen durch deine. 128 S., geb., Haymon Verlag, Innsbruck 2002.
bei amazon.de bestellen
zurück zur Übersicht bitte | |