| Einen an Aussagekraft kaum zu überbietenden Fotoband hat der Steidl Verlag mit „Karambolage“ vorgelegt. Dieses Buch versammelt die von dem Schweizer Polizeifotografen über Jahrzehnte hinweg gemachten Unfallfotos von Verkehrsunfällen. Und jedes Foto erzählt eine Geschichte: die eines Unfalls, die seiner Opfer, der Täter, die Geschichte der Landschaft, die den Ort des Unfalls umgibt, der Personen, die zu sehen sind – Beteiligte oder Unbeteiligte.
Wunderschöne Autos der sechziger Jahre sind zu sehen, Autos auf der Nidwaldener Landstraße ineinander gekeilt, der Sportwagen in Buochs im reißenden Fluss, die Bergungsaktion mit Schaulustigen am Rand, der auf dem Dach liegende VW-Bus, der Omnibus, der in die Feldhütte gekracht ist.
Es ist schön, dass die Fotos großformatig einfach für sich stehen, dass nicht lange Kommentare dazugestellt wurden. So kann sich der Betrachter seine eigenen Gedanken machen, kann er auch manches Mal die Ästhetik, die wütende Zerstörung immer in sich trägt, wirken lassen. Dieser Fotograf hat einen eigenen Blick auf dieses Ereignis Verkehrsunfall, seine Bilder sind nicht bloß Abbilder des Geschehenen, sie erzählen uns mehr. Schäden am Blech der Karossen sehen bei ihm aus wie Verletzungen, die Fahrzeuge scheinen von ihm, Arnold Odermatt, eine eigene Identität zu bekommen.
Fotos von Arnold Odermatt wurden 2001 für die Biennale in Venedig ausgewählt, 2002 wurde ihm eine Einzelausstellung im The Art Institute of Chicago gewidmet. Es ist dies ein Buch, das man lange nicht aus der Hand legen wird.
Arnold Odermatt: Karambolage. Fotoband. Steidl Verlag, Göttingen 2003.
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