| Schreibgründe hinterfragt hat Autor Hans-Jürgen Heinrichs in diesem Band bei zehn prominenten Autorinnen und Autoren, in zum Teil schwierigen, langwierigen Gesprächen, die sich aber allesamt spannend lesen; wobei er die Frage der „Autorschaft“ nicht so eng sieht und auch einen Komponisten Hans-Werner Henze in die Linie reiner Wortautoren einreiht.
Das Buch kann gelesen werden als eine Ansammlung von Werkberichten, wobei das Konzept insgesamt des Bandes nicht sehr deutlich wird. Wie der Interviewer auf diese Auswahl an Autorinnen und Autoren kommt – wahrscheinlich eher der Zufälligkeit überlassen und persönlichen Bekanntschaften, zum Teil liegen die Interviews Jahre, Jahrzehnte zurück oder strecken sich, in mehreren Anläufen, über lange Zeit hin -, erschließt sich dem Leser nicht, andererseits entdeckt der Leser immer wieder Fundstücke, die den Band lohnend machen: gleich zu Beginn, zum Beispiel, die Erkenntnis über die Chance von Büchern, „dem Leben und Denken neue Perspektiven anzubieten und Richtungsänderungen vorzuschlagen, Korrekturen vorzunehmen ...“. Dies hinterfragt Heinrichs bei allen zehn Autoren, wobei er mitunter von seinem Fragemuster abweicht und so auf die einzelnen Autoren persönlich eingeht, andererseits aber gerne die Interviews auch nutzt, den Leser mit seinem eigenen Wissen zu beeindrucken.
Wenn die Jelinek sagt, sie interessiere „das Vollkommene weniger als das, wo ich den Riß spüre“ und Gerhard Roth dieses erweitert mit: „Ich habe zuerst immer das Gefühl, dass ich aus meiner persönlichen Welt schöpfen muß, und dann kommt als zweites eine Unzufriedenheit dazu, dass ich bisher noch nicht weit genug gegangen bin“, werden schon die durch den Interviewer hervorgelockten persönlichen Zugänge zum eigenen Schreiben deutlich. Heinrichs fasst es mit dem Satz zusammen, dass Schriftsteller ihre „subjektiven Möglichkeiten in die Welt hineingeben“, dass sie „die Illusion festhalten (müssen), dass wir es sind, die mit unserem Blick auf die Welt die Welt mitbestimmen“. Vielleicht wäre es angebracht gewesen, zu den Literatur-Autoren auch noch Autoren hinzuzunehmen, die für die Bildmedien schreiben, Fernseh-, Filmautoren; deren Perspektive wäre noch interessant gewesen.
Hans-Jürgen Heinrichs: Schreiben ist das bessere Leben. Gespräche mit Schriftstellern. Geb., 320 S., Kunstmann Verlag, München 2006, 22 Euro
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