| Darüber, ob man Schreiben lernen kann, streiten sich seit Generationen die Geister. Zweifellos aber werden Schriftsteller, auch die erfolgreichsten, beeinflusst von vorangegangenen Schreibenden – sei es in der Form der Literatur, sei es in Inhalten oder auch in Themen. Die beiden Herausgeber – selbst beachtenswerte Literaten – haben in diesem Band 22 im deutschsprachigen Raum wichtige, zeitgenössische Autorinnen und Autoren aufgefordert, über ihre Lektüreerfahrungen und über die Einflüsse von literarischen Vorbildern zu schreiben. Und herausgekommen ist ein spannend zu lesender Band, in dem man viel über Literatur, über literarisches Arbeiten, über den Literaturbetrieb erfährt, in dem man aber auch Einsichten gewinnt, wie der literarische Arbeitsprozess vor sich geht.
In einem sind sich alle Beiträger zu dem Buch einig, von Daniel Kehlmann bis Marcel Beyer oder Hanns-Josef Ortheil: Gutes Schreiben setzt Lesen voraus, intensives Lesen, - und ein anderes Lesen als das des rein an der Geschichte orientierten Lesers, ein Lesen, das sehr viel im Auge behält: die Struktur des Geschriebenen, die Komposition der Geschichte, die Führung von Figuren zum Beispiel.
Eine Antwort auf die Frage, ob man Schreiben lernen kann, erhält der Leser nicht; aber sehr wohl eine Antwort darauf, was das Schreiben ermöglicht: dazu gehört ein zugewandtes Beobachten, ein Üben der Sprache auch im alltäglichen Leben, und ganz selbstverständlich ein Lesen, regelmäßig, selektiv, dem Stoff zugewandt und orientiert auf das eigene Tätigwerden.
Ein Buch für alle, die schreiben und schreiben wollen; aber auch ein spannendes Buch für diejenigen, die Hintergründe zu den von ihnen gelesenen Autoren erfahren möchten.
Olaf Kutzmutz, Stephan Porombka (Hrsg.): Erst lesen. Dann schreiben. Brosch., 272 S., Luchterhand Literaturverlag, München 2007, 8 Euro.
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