| das schwarze meer ist anreiner bei sechs staaten: georgien, türkei, bulgarien, rumänien, ukraine und russland. wie wirken sich unterschiedliche geschichte, religion, gesellschaftliche zusammenhänge auf das meer aus, das seit dem altertum stoff für mythen ist? „das vergessene meer kehrt zurück“, schreibt der autor der texte karl j. spurzem in seinem vorwort. grund: europa hat sich lange zeit abgewendet, vom osten, und von diesem meer. im zuge von energiewegen aus den rohstoffreichen staaten mittelasiens in den westen sind diese länder und ist das schwarze meer plötzlich wieder interessant – und damit auch die bedingungen seiner existenz.
die fotografin vanessa winship hat die länder rings um das schwarze meer bereist, über jahre hinweg, und beobachtete sensibel die veränderungen im prozess der neuordnung der anrainerstaaten des schwarzen meeres. sie entdeckt scheinbar vergangene zeiten, die sich in die gegenwart gerettet haben, fischerdörfer, in denen scheinbar unbeeindruckt von den zeitläuften das leben seinen gang geht. Ihren eindrucksvollen fotos stellt vanessa winship mitunter in text gefasste gedanken und gefühle hinzu – diese texte verstärke die immense visuelle wirkung der fotos. dabei sind es nicht fotos der vorzeigestätten der jeweiligen länder, so wie sie ihre (des öfteren despotischen) staatschefs gerne in szene setzen, sondern alltagsbilder, von mädchen beim tanzunterricht in georgien, vom einsamen mann zwischen verfallenden häusern am meer in der türkei, vom einsamen kriegerdenkmal im gestrüpp in bulgarien, vom luxusgebäude mit abbläterndem putz in rumänien, von jugendlichen schönheiten aufgeputzt mit hochfrisur, im weißen kleid in der ukraine, von zwei nicht gerade freundlich dreinblickenden bikini-damen in einer unterführung, aus der die eisenträger platzen, in russland.
bilder einer aufmerksamen fotografin, die nicht die offiziellen hochglanzbilder reproduziert, die von den staatschefs (nicht selten despoten) gerne popularisiert werden, sondern mit neugier zu den menschen geht und sie in ihrem leben aufnimmt. wir bekommen so ein bild von den ländern, wie es der wirklichkeit näher ist als in all den verlogenen kampagnen.
vanessa winship: schwarzes meer. geb., 136 s., mare verlag, hamburg 2007, 49 euro
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