| In mehreren geschichten erzählt said nicht weniger als seine eigene geschichte, mal ganz direkt, mal sehr verschlüsselt. und er erzählt viel mehr, geschichten der annäherung zwischen ost und west, des naheseins, geschichten über sehnsüchte, die im reich des unerfüllten liegen. seine „betrachtungen“, wie der autor die reflektionen benennt, handeln nicht von den großen mythen zwischen ost und west, der voyeur kommt sicher nicht auf seine kosten, aber der für sprache und für die zwischenreiche sensible, der aufspüren mag, wo denn tatsächlich einflüsse liegen zwischen ost und west, wie die großen ideen sich gegenseitig zu höhen hinaufhalfen – hafis, goethe, wenige andere – was blieb bis heute und was vielleicht bleiben wird, nach dieser desillusion. dabei immer erkenntnisse, die sich dem lesenden erschließen, fast als schliche sich die wissenschaft hinein in die literatur (oder wird diese zur vermittlerin von erkenntnissen): „das dialogische denken auf deutsch steht gegen das monologische trachten im persischen. die logik der deutschen sprache gegen die mystik der persischen?“
und dann hafis, said präsentiert uns einen der ganz großen, einen, der mit dem herzen versteht, und über den sich auch der weg zum islam erschließt – wie auch goethe in verstand: der islam als einer der wege, die zu gott führen: „der islam ist ‚nur‘ sein ausgangspunkt, die poesie sein pfad; das ziel immer die liebe … man kann nicht gott lieben, aber seine geschöpfe hassen oder gar töten – im namen desselben gottes.“ bush und bin laden, zwillingsbrüder im geiste. mühelos stellt said bezüge her, und sie sind dem leser bezwingende zeugnisse dessen, was hafis lehrt: leben und lieben, überaus großzügig, ein vermittler mit blick für den einzelnen, hafis, der ratgeber für so viele, bis und erst recht heute.
dies ist ist buch mit vielen facetten. man kann es nur lesen, vielleicht wieder, und wieder, und immer neue entdecken, dimensionen, zu denen ich als leser in der lage bin. danke, danke said.
said: das niemandsland ist unseres. geb., 112 s., diederichs verlag, münchen 2010, 14,95 euro
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