| ein philosoph, und großer erzähler, wandert durch die stadt, durch berlin, und „entdeckt“ – mauerinschriften, texte, auf mauern geschrieben. er ermittelt die befindlichkeit der stadt. er spürt den intentionen der „mauerbedichter“ nach, ergründet sinn hinter texten, die von zumeist uns unbekannten geschrieben, „hinterlassen“ wurden, sinn, den die texte für uns haben können, oft nach jahren, jahrzehnten noch.
und er, der philosoph und schriftsteller, schreibt einen wunderbaren, die poetologie des mauerbedichtens begründenden essay, im buch begleitet von fotos von mauertexten des fotografen alexander janetzko.
„erst einmal geht der autor von der annahme aus, dass der mensch im prinzip nur als „textweltmensch“ – ein typisches margwelaschwili-wort – existiert; dass also die mauertexte nicht nur „umwelt“-ereignisse darstellen, die ihm auf seinen gängen durch die stadt begegnen, sondern dass diese direkt auf ihn selbst zurückweisen – als lese er die stadt wie ein buch. und er beginnt gleich mit einer poetologischen einordnung der mauertexte: z.b. als texte, die „erzeugnis zweier autoren“ sind, die „in ihrem modalen sinn absolut zusammenfallen“, wie der mauer-text „berlin muss deutsch bleiben“: der kontrapunktische mauertext – zwei autoren arbeite(te)n am gleichen text, wenn auch vielleicht zu verschiedenen zeiten, und aus dem text wird: „berlin muss (deutsch ist durchgestrichen, dafür -) rot bleiben“.
ja, zuerst einmal öffnet margwelaschwili uns, den lesern seines essays, die augen: mauertexte als charakteristika der jeweiligen stadt wahrzunehmen; und fortan werden wir auch versuchen, solchen mauertexten nachzusinnen, ihren sinn zu erfassen, sie in beziehung zu uns selbst und damit uns selbst in beziehung zur stadt zu setzen.
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