| wenn man sich in dieser beschaulichen sommerzeit mehr freiraum für literatur nimmt, dann kann ich nur dieses schmale bändchen gedichte empfehlen (natürlich auch sonst im jahr!): „friedliche landnahme“ nennt die autorin den band nach dem titelgebenden gedicht, das auch auf der hinteren umschlagseite abgedruckt ist – ein gedicht, das tatsächlich für das ganze buch geradezu programm ist: „gedichte möchte ich schreiben,/ die einen spalt breit/ die tür öffnen …“; das, allenfalls, schaffen gedichte, wenn sie in höchster konzentration vor uns treten, wenn sie „kunst“ geworden sind – einen spalt breit, die tür öffnen, für die – ja, die friedliche! – landnahme.
"sucht immer den punkt,/ immer den einen,/ an dem ihr die welt/ ganz sanft/ aus den angeln hebt./“ elke oertgen twiehaus, solange ich ihre gedichte kenne, die in aller ruhe und in „friedlicher zeitnahme“ entstehen, bleibt sich als dichterin treu, ihre gedichte öffnen diesen spalt breit die tür, um hineinzublicken in die welt und zugleich in sich selbst; diese gleichzeitigkeit vermittelt sie uns, den lesern, und sie macht ganz sanft lust, die tür aufzustoßen und hindurchzugehen, in eine mit sinnen wahrgenommene welt, aber auch hinein zu sich selbst, um sich zu finden, im einklang mit der welt – vielleicht auch durch das benennen der dissonanzen
so finden sich viele gedichte, die orthaft angebunden sind („am see“, beispielsweise, oder „stromboli“), die zeitlich festgemacht werden können („schlaf“ etwa, oder „katzensommer“), oder die mit der bewussten wahrnehmung der eigenen sinne zu tun haben – die dichterin ist eine sensible beobachterin ihrer selbst und dessen, wie das außen auf sie wirkt; sie hebt diese eindrücke, und das ist die große dichterin (ja, als solche möchte ich sie bezeichnen!), auf eine zeitlose, auf eine ortlose, und auf eine personenungebundene ebene. wenn ich ihre gedichte lese, ja, dann habe ich immer wieder den eindruck: wie findet diese dichterin worte für das, was ich empfinde, was vielleicht viele so emfpinden? wie findet sie worte für das eigentlich unaussprechliche, das mich im innersten anspricht. schöner kann ein lese-, ein gedichterlebnis nicht sein.
elke oertgen-twiehaus: friedliche landnahme. gedichte. brosch.,76 s., gilles und francke verlag, duisburg 2010, 8.50 euro.
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