| wie geschichte politisiert wird – am beispiel armenien. armenien erlebte den ersten genozid des zwanzigsten jahrhunderts, rund 1,5 millionen kamen 1915 um, nachdem sie unter türkisch-osmanischer herrschaft in die wüste gejagt, ermordet wurden. franz werfel hat dies eindringlich in seinem roman „die vierzig tage des musa dagh“ geschildert.
bis heute sorgt dieser völkermord für differenzen, die türkei bestreitet die systematische ermordnung, bezeichnet ihn als ein „ergebnis von interkommunalem krieg und umsiedlung in kriegszeiten“, und wer den völkermord öffentlich als solchen bezeichnet, muss mit haft rechnen.
das buch geht der frage nach, „ob die jungtürken während des ersten weltkriegs mit absicht die massaker, die stattfanden, organisierten“. der verfasser versucht zu klären was geschah, wie es und warum es geschah, und nicht in definitions- und terminiprobleme verwickelt zu werden.
es ist ein spannendes buch, das ausholt und viele dokumente zurate zieht, die bisher kaum beachtung fanden. eine akribische aufarbeitung des „armenischen falls“, die für die weitere diskussion sicher wertvoller ratgeber sein wird.
guenter loew: der armenische fall. die politisierung von geschichte. brosch., 390 s., wieser verlag, klagenfurt 2009. 29 euro.
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