| Ein Dichter ist länger Zeit in Venedig, und Texte entstehen: er verwandelt das, was ihm begegnet, was er beobachtet, was er denkt, in Literatur. Er verwandelt es in eine Literatur, die um die Stadt kreist, in der sich die Stadt poetisch spiegelt.
Klaus Merz hat poetische Miniaturen geschaffen, die Venedig, die Stadt, wiedererkennen lassen. Und mehr: Miniaturen, die in ihrer Gesamtheit ein Mosaik bilden, das ein buntes, ein reflektierendes, manchmal auch irritierendes, in jedem Fall aber lebendiges Bild auf diese einzigartige Stadt erlaubt. Sei es über das Ab- und Auftauchen von Personen in Gassen, über den Wellenschlag der Lagune, über Wetter und dessen Entsprechungen bei Menschen, das Kreuzfahrtschiff in der Abenddämmerung – Klaus Merz findet einen eigenen Ton zwischen Beobachten und melancholischem Reflektieren. Er verfügt über eine schwere, poetische Sprache, die dem Leser Leichtigkeit vermittelt. Passend dazu die Vignetten von Heinz Egger: schwer und leicht zugleich – „noch immer Venedig, die unerschöpfliche Stadt“ – Klaus Merz ist seine ganz persönliche Annäherung an diese geheimnisvolle Stadt gut gelungen, und an diesem poetischen Abenteuer lässt er uns teilhaben.
Klaus Merz: Löwen Löwen. Venezianische Spiegelungen. Geb., 80 S., Haymon Verlag, Innsbruck 2004, € 14,40
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