| Als Leser braucht man ein wenig Zeit, um hineinzufinden in dieses Reisetagebuch. Aber, und das erschließt sich angesichts erschreckender Vorkommnisse weltweit in der vordergründig als Kampf der Kulturen bezeichneten Konflikt, es ist mehr und mehr die Literatur, die in der Lage ist, Einsichten in solche Konflikte zu vermitteln; Sachbücher können wohl Fakten liefern, das Dahinter aber erschließt sich oft nur mehr über Geschichten.
So fesseln die Aufzeichnungen von Michael Kleeberg den Leser erst nach und nach, es entwickeln sich Handlungslinien zu Geschichten, zu Porträts von Menschen und Landschaften; wie er den Libanon entdeckt, lässt der Autor den Leser teilhaben, er vermittelt ihm Einsichten, die sich erst während des Erlebens einstellen – und dieser Prozess der fortlaufenden Überraschungen überträgt sich auf den Leser.
Der Libanon, das gebeutelte Land. Christliche Spuren, Begegnungen mit Muslimen, Diskussionen, das tägliche Leben in Beirut, abenteuerliche Fahrten in die Berge – an all dem lässt der Autor den Leser besser teilhaben als es jeder Bildband könnte. Michael Kleeberg gibt durch sein Zeitbild Einblicke in den Libanon nach vielen, zerrüttenden Kriegen, er vermittelt bei aller Trostlosigkeit der beschriebenen Situationen Hoffnung auf eine bessere Zukunft, er erzählt die Geschichten von Menschen und dadurch einen Teil der Geschichte des Landes, zu dem man im Lauf des Lesens immer mehr Sympathie fasst. Ein Buch, das viel geistigen Gewinn verspricht.
Michael Kleeberg: Das Tier, das weint. Libanesisches Reisetagebuch. Geb., 174 S., Deutsche Verlags-Anstalt, München 2004, 17,90 Euro.
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