| Geschichten aus Nigeria wurden jetzt im Stuttgarter Schmetterling Verlag veröffentlicht, Geschichten der jungen nigerianischen Autorin Toyin Adewale. Sie, die viele Jahre die Vorsitzende der Organisation „Women Writers of Nigeria“ war, hat ihren eigenen Ton gefunden: engagiert, couragiert, Afrika und die Welt darüber hinaus im Blickfeld, mit perspektivischem Schreiben schafft sie in ihren Geschichten ein Mosaik, das die Realität in Nigeria darstellt. Adewale beschönigt nichts, sie versucht nicht, eine afrikanische Idylle darzustellen; Probleme werden bei ihr als Probleme benannt, sie stellt dar und versucht nicht, belehrend Hilfestellung zu leisten. Immer hat sie den Blick für weibliche Fragen in der afrikanischen Gesellschaft, sie schöpft Kraft aus diesem (neuen) afrikanischen Selbstbewußtsein der Frau, sie benennt Menschenrechtsverletzungen, wo diese benannt werden müssen, genauso wie ökologische oder ökonomische Probleme.
Dabei verfügt die Autorin über einen spannenden, schnörkellosen Stil, beim Lesen wird der Leser wie von einem Sog in die Geschichten hineingezogen, vom ersten Satz an. Diese Geschichten bieten einen überzeugenden Einblick nicht nur in heutige nigerianische Verhältnisse, sondern auch in die zeitgenössische afrikanische Literatur, die überrascht, die neugierig macht ob ihres unprätentiösen, formal experimentierenden Tons, der interessant mit den Themen der Geschichten korrespondiert. Sehr lesenswert – denn mit Geschichten kann man fremde Welten tausendmal besser verstehen als mit allen Geschichtsbüchern.
Toyin Adewale: Flackernde Kerzen. Erzählungen, brosch., 120 S., Schmetterling-Verlag, Stuttgart 1999, Neuauflage 2004, Euro11,80
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