| Reisen und dabei den individuellen Blick bewahren. Sich die Sicht der Dinge nicht vorschreiben lassen, sondern Eindrücke aufnehmen und verarbeiten, und dann noch in der Lage sein, dieses Ergebnis des inneren Prozesses so zu formulieren; Worte zu finden, sodass der Leser sich beim Lesen auf eine innere Reise begibt: Laurence Deonna, in Genf lebende Journalistin, Schriftstellerin und Fotografin, Präsidentin der Organisation "Reporter ohne Grenzen" für die Schweiz, gelingt dies. Sie ist nicht nur viel gereist im Nahen und Mittleren Osten sowie in Zentralasien, sie versteht es auch, sich auf Landschaften und Menschen in diesen Ländern einzulassen, den Humor auch bei Entmutigendem nicht zu verlieren, mit Melancholie auf Veränderungen zu sehen und doch die Notwendigkeit der Entwicklung zu erkennen. Dabei gelingen ihr wunderbare Beschreibungen der einzigartigen Landschaften Kasachstans, Worte für die kaum zu beschreibende Weite der Steppen, aber sie versteht es auch, Zusammenhänge herzustellen zur Geschichte des Landes - zuvorderst zu der jüngsten, der Zeit der Sowjetunion, und die aktuellen Prozesse einzubauen, in Verbindung zu bringen mit der Last der Vergangenheit.
Viele Probleme gibt`s, in allen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion - die Menschen dort belächeln (oft zurecht) das, was wir hier im Westen als "Probleme" bezeichnen -, angefangen mit ökologischen Katastrophen. Laurence Deonna stellt aber immer wieder die Menschen Kasachstans in den Mittelpunkt, egal ob sie vom Kommunismus träumen und sich in Nostalgie üben, ob sie als "Businessmen" zu den Gewinnern oder als Russen zu den Außenseitern gehören. In das Buch eingestreute Fotos der Autorin ergänzen die Texte durch die visuelle Aussage.
Es ist dies ein Buch in einer Tonart, die von Sympathie für dieses Land getragen wird, das uns die Weiten dieses Landes in Zentralasien näher bringt, das uns mitreisen lässt.
Laurence Deonna: Kasachstan. Eine Reise durch das postkommunistische Zentralasien. edition q im Quintessenz Verlag, Berlin 2002.
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