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Kulturtipps von Uli Rothfuss im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg

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Gedicht des Monats

Gedicht des Monats im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg:

Gedicht des Monats | April 2011

oya erdogan: | "lamento mori"


Kulturtipps von Uli Rothfuss im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg

oya erdogan
© Foto: privat

begründung

es ist dies ein gedicht der brechungen, der unterbrechungen, der weiterführungen auf anderer ebene; ich nähere mich oft einem gedicht, indem ich beim lesen die für mich zentrale aussage identifiziere: "ich die ich fließe süß wie quellen" ist es hier, ohne dass ich unmittelbar sagen könnte, warum.

"ich die ich fließe süß wie quellen" - schon für sich sind diese wenigen worte ein gedicht, sinnlich, vorstellbar, es schlägt einem das herz schneller. mir kommt da die nymphe in den sinn, die im blütenmeer badet, lacht...

schlimmer als nicht verstehen ist das nicht-fühlen-können; das gegenüber, das "du" im gedicht, es ist durchaus ein gedicht des abschieds von diesem du, ein gedicht der abschiede, des sich-ergebens in den abschied, der - wie immer - auch anfang bedeutet; - in diesem finalen "endlich" steckt der neuanfang, auch in diesem fließen in den süßen quellen. ein gedicht aus vielen schichten zusammengefügt, sprachlich, formal, inhaltlich, von dem "nicht fühlen// dich" bis zum "werde mich dem beugen, endlich" ist es ein weg des aufbruchs; kein hoffnung raubendes, sondern ein letztlich mut machendes aufbruchsgedicht.

lamento mori

versteh nicht kann nicht
dieses klare schweigen
schlimmer noch
nicht fühlen

dich, gibt es nicht

ein wort nur eine silbe
nicht eine nadelspitze
raum den du öffnen
nicht ein gelücke
durch das du beglücken

könntest, sicher

kannst du mich in die wüste schicken
und ich finde durchaus hin
kenn auch die dünen der monodie
doch was zum teufel soll ich dort
ich die ich fließe süß wie quellen
non può fare a amor riparo
singt die fiorentinische nymphe

werde mich dem beugen, endlich

die autorin:
oya erdogan, geb. 1970 in akyazi/türkei, lebt in berlin und istanbul, studierte philosophie und orientalistik in wien, schreibt philosophische essays (u.a. das wunderbare buch "wasser. über die anfänge der philosophie") und vor allem lyrik, tritt mit lesungen, vorträgen und performances auf, übersetzt, arbeitet mit musikern, fotografen, tänzern und malern zusammen.

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