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oya erdogan © Foto: privat begründung
es ist dies ein gedicht der brechungen, der unterbrechungen, der weiterführungen auf anderer ebene; ich nähere mich oft einem gedicht, indem ich beim lesen die für mich zentrale aussage identifiziere: "ich die ich fließe süß wie quellen" ist es hier, ohne dass ich unmittelbar sagen könnte, warum.
"ich die ich fließe süß wie quellen" - schon für sich sind diese wenigen worte ein gedicht, sinnlich, vorstellbar, es schlägt einem das herz schneller. mir kommt da die nymphe in den sinn, die im blütenmeer badet, lacht...
schlimmer als nicht verstehen ist das nicht-fühlen-können; das gegenüber, das "du" im gedicht, es ist durchaus ein gedicht des abschieds von diesem du, ein gedicht der abschiede, des sich-ergebens in den abschied, der - wie immer - auch anfang bedeutet; - in diesem finalen "endlich" steckt der neuanfang, auch in diesem fließen in den süßen quellen. ein gedicht aus vielen schichten zusammengefügt, sprachlich, formal, inhaltlich, von dem "nicht fühlen// dich" bis zum "werde mich dem beugen, endlich" ist es ein weg des aufbruchs; kein hoffnung raubendes, sondern ein letztlich mut machendes aufbruchsgedicht.
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lamento mori
versteh nicht kann nicht dieses klare schweigen schlimmer noch nicht fühlen
dich, gibt es nicht
ein wort nur eine silbe nicht eine nadelspitze raum den du öffnen nicht ein gelücke durch das du beglücken
könntest, sicher
kannst du mich in die wüste schicken und ich finde durchaus hin kenn auch die dünen der monodie doch was zum teufel soll ich dort ich die ich fließe süß wie quellen non può fare a amor riparo singt die fiorentinische nymphe
werde mich dem beugen, endlich
die autorin: oya erdogan, geb. 1970 in akyazi/türkei, lebt in berlin und istanbul, studierte philosophie und orientalistik in wien, schreibt philosophische essays (u.a. das wunderbare buch "wasser. über die anfänge der philosophie") und vor allem lyrik, tritt mit lesungen, vorträgen und performances auf, übersetzt, arbeitet mit musikern, fotografen, tänzern und malern zusammen.
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