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Charlotte Ueckert: Nebel
Bauminseln sind Nester am Boden, nach denen Vögel vergeblich schreien
Der Nebel hängt jedes Mal ein Tropfen am Ende der nicht vom Zweig fällt
Ganz nah muss ich gehen um den See zu erkennen das Nest der Fische
Durch atembeschwerliche Zwischenwelt, bestimmt von der Krähen Heiserkeit
Vom Steilufer aus suche ich angestrengt nach Fußspuren
(Aus: Charlotte Ueckert: Kein Horizont zu weit, Gedichte, Dölling und Galitz Verlag, Hamburg 1991/1995)
Die Autorin: Charlotte Ueckert, geb. 1944 in Oldenburg i.O., Ausbildung zur Bibliothekarin, Studium der Psychologie, Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte in Hamburg, lebt als Literaturwissenschaftlerin und Autorin in Hamburg. Sie ist Herausgeberin mehrerer Anthologien und veröffentlichte Lyrik und Kurzprosa sowie die großen Biografien über Niki de Saint Phalle und Paula Modersohn-Becker, stellvertretende Vorsitzende der Europäischen Autorenvereinigung Die KOGGE und Mitglied im Internationalen PEN.
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Begründung:
Was bleibt zu sagen über den „Nebel“ nach Hesses berühmtem Gedicht „Im Nebel wandern“ … was, um Charlotte Ueckerts Gedicht zu „interpretieren“ (und: wie könnte mir das überhaupt in den Sinn kommen …); ein Gedicht, das mich erinnert, an so vieles (der „Tropfen am Ende“, der mich seit Kindheit fasziniert, „der nicht vom Zweig fällt“, nur ein augenfälliges Beispiel); jedes Gedicht hat etwas, das ganz in sein Zentrum weist, einen Vers, eine Strophe, ein Wort manchmal nur, die aufhorchen lassen, die kaum mehr Atemholen lassen, so tief treffen sie mich; hier: „Durch atembeschwerliche/ Zwischenwelt …“, und dann kommt’s: „bestimmt/ von der Krähen Heiserkeit“ – was, frage ich mich, macht die Krähen heiser: der Nebel, die Jahreszeit, oder das Überraschende, das, was sie eben auch kaum mehr aussprechen lässt, was passiert … ?
„Bestimmt/ von der Krähen Heiserkeit“ … und das Suchen, das angestrengte, nach Fußspuren. Dieses sich Verlieren, dieses Aufgehen in Landschaft ist es, was mich fasziniert, was mir Ruhe und zugleich eine Sehnsucht nach jenem Nebel in einer Zwischenwelt verschafft, in den ich mich flüchten, in dem ich mich verlieren kann. Wer ahnte, dass man solche Zwischenwelten auch in Gedichten finden kann. Charlotte, danke.
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