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Die Virtuelle Kulturregion

Museum Würth in der Virtuellen Kulturregion SWO

22. Januar bis 20. Mai 2002
François Morellet

Online-Preview

François Morellets (geboren 1926 in Cholet, Frankreich - lebt in Cholet) François Morellets von ihm selbst formulierte Lebensbeschreibung ist so knapp wie auf-schlussreich in ihrer Selbstironie: "1948-75 Industrieller, ab 1946 verheiratet, ab 1950 abstrakter Maler, 1960-68 Mitglied von GRAV (Groupe de Recherche d'Art Visuel), ohne künstlerische Ausbildung, ohne Auszeichnungen."
Sachlichkeit, radikale Reduktion und Humor
Im Jahr 1953 entsteht im Atelier von Morellet ein Bild, das als programmatisch für sein gesamtes späteres Werk bezeichnet werden kann: "16 Quadrate", schwarze, senkrecht und waagerecht verlaufende Linien, die die Bildfläche in 16 gleich große Vierecke unterteilen.

Es ist das Jahr, in welchem Jean Tinguely von Basel nach Paris zieht und hier seine ersten kleinen, mechanisch bewegten Skulpturen schafft. So sehr sich das Werk beider Künstler, die eine jahrzehntelange Freundschaft verband, im Ergebnis unterscheidet, so sehr sind sie doch beide in ihrer grundlegenden Motivation durch vier Begriffe zu charakterisieren: Radikalität, Zufall, Humor und spielerische Bewegung.

Zufall und Spiel Sachlichkeit und radikale Reduktion von Morellets Frühwerk "16 Quadrate", das der Künstler bis in die 90er Jahre mehrfach variiert, haben im Paris jener Zeit keinen Vergleich. Humor ist laut Morellet Familientradition seit Generationen: "Unter Humor verstehe ich in erster Linie eine auf sich selbst und die gelebten Situationen anzuwendende Ironie. Hierin drückt sich eine ganze Kultur aus."
Über die Bedeutung von Zufall und Spiel in seinem Werk sagt Morellet 1991: "Mein Zufall ist mit dem konzeptuellen Spiel bei Hans Arp und Sophie Taeuber verwandt, die ihre Vierecke nach dem Gesetz des Zufalls aus dem Hut zogen, um sie dann übereinander zu kleben. Im Grunde sind es diese Spiele und Systeme, die mich am meisten fasznieren." Mitte der 50er Jahre beschäftigt sich Morellet mit der Gestaltung des Bildfeldes als einer tendenziell unendlichen, über die Begrenzungen des Bildes hinausreichenden Struktur. Jedoch wird die ,künstlerische Phantasie' im traditionellen Sinne (implizit die malerische Geste im ,all-over' eines Jackson Pollock) konsequent ausgeschlossen, indem Morellet zuvor Prinzipien und Systeme festlegt, die hinsichtlich der realisierten Werke zu unterschiedlichen, zufallsgebundenen Ergebnissen führen können.

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