| Zeichnungen aus dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe Ausstellung im Vorlegesaal im Hauptgebäude Von vornherein arbeiteten die Brücke-Künstler in verschiedenen Medien. Es entstanden Meisterwerke der Malerei und der Druckgraphik. Die Handzeichnung war eine besonders geschätzte Gattung, erlaubte sie doch einen sehr spontanen, lebhaften, frischen Zugriff auf die Wirklichkeit. Sie begünstigte den unmittelbaren Ausdruck und die unverfälschte Wieder-gabe, wie sie im Manifest gefordert wurden. Eine Auswahl aus den Beständen der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe gibt Einblick in die breite Skala der Formen und Themen, führt aber mit Feder-, Kohle-, Kreide-, Blei- und Buntstiftzeichnungen sowie einigen Aquarellen auch eine große technische Vielfalt vor Augen. Die ausgezeichnete Sammlung von Brücke-Zeichnungen und -Drucken im Karlsruher Kupferstichkabinett ist vor allem zwei Personen zu verdanken: 1954 stiftete Walter Kirchner zahlreiche Werke aus dem Nachlass seines Bruders Ernst Ludwig und 1967 machte Erich Heckel eine umfangreiche Schenkung, die neben eigenen Werken auch einige Werke anderer Künstler umfasste.
Leider fehlen im Karlsruher Bestand Zeichnungen aus der frühen Phase der „Brücke“, so auch vom Gründungsmitglied Fritz Bleyl, der schon 1907 aus der Gruppe ausschied. Von Karl Schmidt-Rottluff ist nur eine Zeichnung aus der Brücke-Zeit vorhanden: Freilich ist das in Dangast am Jadebusen kühn und kraftvoll gezeichnete „Gehöft“ von 1911 ein Meisterstück. Breit vertreten sind Heckel und Kirchner: Einige ihrer Werke unterstreichen die Bedeutung des Aktstudiums für die Brücke-Künstler. Sehr schnell und mit zunehmender Sicherheit zeichneten sie nach Modellen, die sich möglichst natürlich bewegen sollten. Diesem Postulat wurden in besonderer Weise Kinder gerecht, die von den Künstlern immer wieder dargestellt wurden, unter ihnen die berühmt gewordene Fränzi Fehrmann. Max Pechstein, Brücke-Mitglied seit 1906, hat sie 1910 in einer sehr reduzierten und mit den Grundfarben Rot, Blau und Gelb zart aquarellierten Kreidezeichnung festgehalten. Sie erscheint auch auf zwei Zeichnungen von Heckel. Daneben dienten häufig die Freundinnen der Künstler als Modell, so etwa die mit Kirchner liierte Doris Grosse, genannt Dodo. Eine hinreißende Kreidezeichnung von 1908/09 zeigt sie, von ihrem Buch aufschauend, vor einem Spiegel.
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