| 19./20. September 2008 Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Feuerbachsaal Gefördert durch die Fritz Thyssen Stiftung
Die Tagung widmet sich einer kunsthistorischen Gattung, die bisher selten Gegen-stand eigener Forschung war: dem Scheibenriss. Es handelt sich dabei um Ent-wurfszeichnungen für Glasbilder, häufig im kleinen Format (sog. Kabinettscheiben), die für kirchliche oder profane Räume gestiftet wurden. Als Vorlage für ein Glasge-mälde stellt der Scheibenriss ein gattungsübergreifendes Medium dar, das gleichsam an der Schnittstelle zwischen Zeichenkunst und Glasmalerei steht. Im 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts lässt sich in Süddeutschland, am Oberrhein, in den Niederlanden, vor allem aber in der Schweiz eine wahre Blüte im Glasmaler- und damit auch im Glasreißergewerbe beobachten. Praktisch alle bedeutenden Zeichner dieser Zeit - allen voran Albrecht Dürer, Hans Baldung, Tobias Stimmer und Christoph Murer - waren auch als Entwerfer für Glasgemälde tätig.
Während sich von den empfindlichen Glasbildern nur wenige erhalten haben, exis-tiert auch heute noch eine Vielzahl an Scheibenrissen. Die Bandbreite der erhaltenen Werke reicht von lavierten Federzeichnungen bis zu linearen Umrisszeichnungen, von Detailstudien bis zu kompletten Arbeitsvorlagen. Die Staatliche Kunsthalle Karls-ruhe besitzt mit über 1000 Blatt einen besonders umfangreichen, wenn nicht sogar den umfangreichsten Bestand an Scheibenrissen überhaupt, der erst in jüngster Zeit wissenschaftlich gesichtet und bearbeitet wird. Dabei traten verschiedene, in der Kunstwissenschaft bisher vernachlässigte Fragen auf, die eine Diskussion im inter-nationalen Kollegenkreis nahelegten.
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