| Pia Fries’ Bilder verdanken sich einem ungewöhnlichen, beinahe rabiaten Umgang mit den künstlerischen Mitteln: Die Farbe tritt satt und feucht glänzend in unterschiedlichen Aggregatzuständen in Erscheinung. Von teigartiger Masse bis zu dünnflüssiger Substanz wird sie in kombinatorischen Verfahren eingesetzt: im Schleudern von Farbbatze, im schnellen Verrühren mit dem Rechen, im Quetschen mit der Presse oder dem Spachtel, im Aufschlagen des ganzen Bildkörpers auf dem Fußboden, um die zähe Farbmasse kontrolliert-zufällig in Bewegung zu versetzen. Seit 2000 integriert die Künstlerin Siebdrucke in ihre Werke und umspielt die grafischen Texturen mit pastosen Farbmassen. Dabei gelingen ihr eindrucksvolle Bilder, in denen disparate Elemente zu einem dichten Gewebe verbunden werden.
Der poetisch-verrätselte Titel Krapprhizom Luisenkupfer bezieht sich auf die Markgräfin Karoline Luise (1723-1783), die mit ihrem Mahlerey-Cabinet einen zentralen Beitrag zum heutigen Sammlungsbestand der Kunsthalle leistete. Die vielseitig interessierte Markgräfin war auch unternehmerisch tätig, so ließ sie in Baden roten Farbstoff aus der Krapppflanze herstellen. Die dichten Strukturen und Verästelungen ihrer Bilder bezeichnet Pia Fries mit einem Begriff der neueren Philosophie als „rhizomatisch“ (d.h. vielwurzelig). Für ihre beiden neuen Werkzyklen ließ sie sich durch Grafiken von Hendrick Goltzius und Stefano della Bella aus dem Kupferstichkabinett der Kunsthalle anregen.
Aus ihrer Begegnung der Künstlerin mit den reichen Beständen des Kabinetts entwickelte sich die Idee zur Fortsetzung ihrer Kunst mit anderen Mitteln: Im historischen Vorlegesaal der Kunsthalle hat Pia Fries ihr „Chambre d’amis“ eingerichtet, in dem sie ihre persönlichen Vorlieben aus dem Kupferstichkabinett – von Schongauer bis Cézanne – präsentiert.
Zur Ausstellung Pia Fries. Krapprhizom Luisenkupfer erscheint ein umfangreicher, farbig bebilderter Katalog im Richter Verlag, Düsseldorf mit Beiträgen von Oskar Bätschmann, Regine Heß, Pia Müller-Tamm, Astrid Reuter und Dorit Schäfer in deutscher und englischer Sprache zum Preis von 29,- €.
Die Ausstellung wird unterstützt durch die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.
Young Preview: Freitag, 17.12.2010, 17 Uhr Eröffnung: Freitag, 17.12.2010, 19 Uhr
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