Der Oberrhein als Kunstzentrum
Der Oberrhein war um 1500 eine der blühendsten Kunstlandschaften Europas. Die Ausstellung "Spätmittelalter am
Oberrhein: Maler und Werkstätten 1450-1525" in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe gibt erstmals einen weit gespannten
Überblick über das reiche spätmittelalterliche Kunstschaffen in dieser Region und im westlichen Bodenseegebiet.
Gezeigt werden vor allem sakrale Werke, die zwischen 1450 und 1525 in den großen Bischofs- und Bürgerstädten -
in Straßburg, Basel, Colmar, Freiburg und Konstanz - entstanden.
Während sich das Badische Landesmuseum unter dem Titel "Alltag, Handwerk und Handel" der Darstellung des weltlichen
Lebens widmet, wird die Ausstellung in der Staatlichen Kunsthalle einen Eindruck von der immensen Bedeutung der
Religiosität für die Menschen jener Zeit vermitteln.
Die spätmittelalterliche Frömmigkeit, die sowohl von froher Zuversicht als auch von tiefer Weltangst und
Untergangsvisionen geprägt war, fand ihren Niederschlag in Kunstwerken, in denen christliche Glaubensinhalte
eindringlich veranschaulicht und aktualisiert wurden. Christus, Maria und die Heiligen, ihr Leben und Leiden wurden auf immer
neue Weise dargestellt.
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Ausstellungsrundgang
In sechzehn Räumen wird das Wirken der berühmtesten Meister ihrer Epoche vor Augen geführt. Der Rundgang
beginnt vor Werken der Malerei aus dem Bodenseegebiet, in dem die Malerfamilie Murer um 1450/70 tätig war.
In Straßburg gehörte der "Meister der Karlsruher Passion", bei dem es sich vermutlich um Hans Hirtz handelte,
zu den wichtigsten Künstlern in der Mitte des 15. Jahrhunderts. Seinem einzigen erhaltenen Werk, den sieben für
die Ausstellung erneut vereinten Tafeln der "Karlsruher Passion", begegnet der Besucher im zweiten Raum, in dem außerdem
Werke des Meisters des Feldbacher Altars, Caspar Isenmanns und Martin Schongauers präsentiert werden. Das Schaffen Martin
Schongauers in Colmar stellt einen Höhepunkt der Kunstblüte jener Epoche dar. Er war der überragende Maler
und Kupferstecher seiner Generation und wirkte nicht nur vor Ort auf seine Zeitgenossen, sondern unter anderem auch auf den
jungen Albrecht Dürer, der 1491 aus Nürnberg an den Oberrhein reiste, um hier Schongauers Kunst zu studieren.
Kupferstichen von Schongauer, Gemälden, Goldschmiedearbeiten und Stichen aus seinem Umkreis sind die Räume
zwölf bis fünfzehn gewidmet.
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