| (Erstveröffentlichung: Rheinischer Merkur)
Alois Brunner war Eichmanns rechte Hand und einer der schlimmsten Massenmörder des Dritten Reiches. Vor Gericht konnte er nie gestellt werden, dafür steht er jetzt auf einer Theaterbühne.
Das Monster hat es sich bequem gemacht. Im syrischen Exil genießt der ehemalige SS-Hauptsturmführer Alois Brunner, den Adolf Eichmann für seinen „besten Mann“ hielt, orientalische Badefreuden. Mit dem leichtbekleideten Gastgeber, der ihn als Feind seiner Feinde begrüßt, plaudert er entspannt über Waffengeschäfte und die Vernichtung des Judentums. Sein Verfolger, dessen Vater einst von Brunner deportiert wurde, fällt der Drehbühne zum Opfer. Er fährt an den Schwitzenden vorbei, darf zwei Mal laut seine Stimme erheben und verklingt dann im Nirgendwo.
Mit der Uraufführung der "Bestmannoper" hat sich das Osnabrücker Theater unter seinem neuen Intendanten Holger Schultze noch einmal als die deutsche Bühne mit den meisten Uraufführungen der laufenden Saison profiliert. Nach dem Festival „Spieltriebe“, bei dem im vergangenen Herbst ein rundes Dutzend kaum druckfrischer Stücke das Licht der Welt erblickte, wurden noch vier weitere Schauspiel- und Tanztheaterproduktionen aus der Taufe gehoben. Doch keine einzige fand auch nur annähernd das Echo, welches der "Bestmannoper" zuteil wurde.
Für die Uraufführung hatten sich gut zwei Dutzend Medienvertreter angemeldet, ohne zunächst Wesentliches über die Musik des 1968 geborenen Komponisten Alex Nowitz, das Textbuch seines drei Jahre älteren Librettisten Ralph Hammerthaler oder die Ideen von Regisseur Immo Karaman zu wissen. Der bloße Inhalt der Oper reichte völlig aus, um ihr bundesweite Aufmerksamkeit zu sichern. Schließlich hieß die Hauptfigur nicht Figaro, Otello oder Siegfried, sondern Alois Brunner.
weiter bitte
zurück zur Übersicht bitte | |