| Lange Jahre gehörte er zu den meistbeschäftigten Theaterschauspielern im deutschsprachigen Raum. Doch das viel zitierte Millionenpublikum wurde erst auf ihn aufmerksam, als er vor der Kamera den Mann verkörperte, der die Karriere seines Vaters im realen Leben abrupt beendet hatte. In dem TV-Zweiteiler „Im Schatten der Macht“ brillierte Matthias Brandt in der Rolle des Kanzleramt-Spions Günter Guillaume – seitdem ist der jüngste der drei Söhne von Rut und Willy Brandt aus der Film- und Fernsehlandschaft nicht mehr wegzudenken. In den letzten fünf Jahren war er in knapp 30 Produktionen zu sehen, und ein Ende der Überbeschäftigung ist nicht in Sicht. Derzeit werden gleich mehrere Filme gedreht oder nachproduziert, so dass der Kinostart des Ehedramas „Gegenüber“ am 11. Oktober kaum gesondert erwähnt werden müsste. Wäre da nicht (wie fast immer, wenn Matthias Brandt auf Leinwänden und Fernsehschirmen auftaucht) diese seltene, bestechende und nie aufgesetzte Qualität – des Drehbuchs, der filmischen Umsetzung und der schauspielerischen Darbietung.
In "Gegenüber" spielt er an der Seite von Victoria von Trautmannsdorff den unscheinbaren Polizisten Georg, der teilnahmslos zuschaut, wie sein gutbürgerliches Leben in Stücke fällt. Stumm erleidet er die Gewaltausbrüche seiner immer aggressiver werdenden Ehefrau, bis die Situation eskaliert und schließlich in einen unheilvollen Waffenstillstand mündet.
Die seltene, oft irritierende Intensität, mit der Brandt seine Figuren ausstattet, hat sich der Schauspieler hart erarbeitet. Nach eigenem Bekunden kam er nie in Versuchung, in die Fußstapfen des berühmten Vaters zu treten. Das Verhältnis zum oft unnahbaren Bundeskanzler blieb freundlich, aber distanziert – selbst in dem Jahr als Willy Brandt über seinen als DDR-Spion enttarnten Kanzleramts-Minister Guillaume stolperte. „In meinem Kosmos war 1974 der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft wichtig, nicht der Rücktritt“, gab Matthias Brandt, heute selbst Vater einer Tochter, später zu Protokoll. Für alle, die vom Sohn des Bundeskanzlers eine steile politische Karriere erwarteten, sei er „eine grobe Enttäuschung“ gewesen.
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