| Reclams themengebundene Lyrikbändchen haben mittlerweile Kultstatus. Das hängt sicher mit der verhältnismäßig überschaubaren Preisgestaltung, dem ansprechenden Layout, vor allem aber mit der klugen Textauswahl zusammen, die im vorliegenden Fall sogar noch einige Überraschungen parat hält. Denn hinter den einzelnen Kapiteln, die das Meer als Ursprung des Lebens, Liebessymbol und Arbeitsplatz, Freigehege oder Heimat sagenhafter Wesen beleuchten, verbergen sich neben deutschsprachigen Klassikern wie Theodor Storms „Meeresstrand“, Conrad Ferdinand Meyers „Zwei Segel“ oder Christian Morgensterns „Fisches Nachtgesang“ zahlreiche – zumindest hierzulande - unbekannte Texte.
Andrea Wüstners überzeugende Auswahl bezieht Gedichte von Pietro Metastasio, Paul Verlaine, D.H. Lawrence, Edgar Allan Poe und Lord Byron in deutscher Übersetzung ein und kennt nicht einmal Berührungsängste mit Helmut Käutners „La Paloma“. Das handliche, von Henry Morets Gemälde „Ouessant, jour de clame“ verschönte Format lädt also einmal mehr zu einer literarischen Entdeckungsreise ein, die sogar vom Liegestuhl aus problemlos zu bewerkstelligen ist.
Das Meer – Gedichte, Reclam, 4 €
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