| Mit der Ausbürgerung Wolf Biermanns schrieben die Verantwortlichen in der DDR 1976 eines der spektakulärsten Kapitel der neueren deutschen Kulturgeschichte. Böse Stimmen behaupten seither, so richtig unglücklich könne der Liedermacher über diese Zwangsmaßnahme nicht gewesen sein. Schließlich hätte er durch sie einen Bekanntheitsgrad erreicht, der in kaum einem Verhältnis zur Qualität seines Werkes stehe. Bei dtv ist soeben eine Neuausgabe seines zweiten Lyrikbandes "Mit Marx- und Engelszungen" aus dem Jahr 1968 veröffentlicht worden.
Die Gedichte, Balladen und Lieder legen dem heutigen Leser in der Tat die Vermutung nahe, dass Biermann unter anderen Umständen wohl kaum eine ganze Nation beschäftigt hätte. Aber es gab eben keine anderen Umstände, und so konnte er, ohne ein künstlerischer Revolutionär zu sein, mit einfachsten Mitteln maximale Wirkungen erzielen. Wolf Biermann sprach seinen Landsleuten aus der Seele - denen aus Ostdeutschland ohnehin, und weil er politische Fehlentwicklungen nie als Systemfrage verstand, schließlich auch denen aus Westdeutschland. Die Beurteilung des Dichters und Sängers wird weiter umstritten bleiben, seine herausragende Bedeutung als mündiger und engagierter Zeitgenosse und Bürger ist davon unberührt.
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