| „Ich zumindest fühle mich unbeschreiblich glücklich darüber, Mozart, wenn auch nur von ferne, verstanden und sein Glück geahnt zu haben, wie viel mehr dann die, die ihn vollkommen verstanden haben, wie viel mehr müssen die sich glücklich fühlen mit dem Glücklichen.“
Was Sören Kierkegaard hier über sein Verhältnis zum allseits verehrten Götterliebling schreibt, gilt unter veränderten Voraussetzungen sicher auch für die Leser seiner eigenen Schriften. Insbesondere für diejenigen, die sein 1843 erschienenes Hauptwerk „Entweder-Oder“ nach den bündigsten Erkenntnissen durchforschen, die aus der phänomenalen Gedankenfülle herausragen. Denn der dänische Philosoph, dessen Todestag sich am 11. November 2005 zum 150. Mal jährt, hat das Existenzielle zwischen je 500 Seiten starken Ausführungen des Ästhetikers A und des Ethikers B nicht gerade versteckt, aber doch in ein so dialektisches Widerspiel verwickelt, dass ein wenig Zeit und Muße unumgänglich sind, wenn man sich aus dem ästhetischen Urzustand des Menschen herauswinden will und anschließend auch das ethische Stadium als bloß vorläufiges erkennen muss, um schließlich im religiösen an der „Kreuzigung des Verstandes“ zu arbeiten.
In der vorliegenden , von Heinrich Flauteck übersetzten Gesamtausgabe kommt der ironische und paradoxe Stil des Philosophen allerdings auf so lesbare, fast möchte man sagen: unterhaltsame Art zur Geltung, dass 1.000 Seiten Kierkegaard mit Fug und Recht als reines Lektürevergnügen bezeichnet werden können. Der ausführliche Kommentar von Niels Thulstrup liefert überdies wertvolle Verständnishilfen.
Sören Kierkegaard: Entweder – Oder, Teil I und II, dtv, 14 €
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