| Um neun war ich im Moon. (...) Als ich wieder ins Moon kam, war Maxima schon da. (...) Als ich am nächsten Morgen um neun ins Moon kam, war Walter schon da.
Zur Abwechslung:
Draußen war es kühl.
Und dann wieder:
Wir waren um halb sieben im Kelo. (...) Am nächsten Morgen war ich um zehn Uhr in dem kleinen Coffeeshop, (...). Es war noch nicht zehn, als ich ins Moon kam.
Frank Goosens Protagonist Felix – das zeigen die zitierten Kapitelanfänge – führt nicht gerade ein aufregendes Leben, aber das prädestiniert ihn offenbar besonders für die repräsentative Existenz, die ihm der bald 40jährige Wahlbochumer zugedacht hat. Denn Felix schlägt sich nicht nur durch seine eigenen unbeschäftigten Tage, sondern stellvertretendend auch durch das freudlose Dasein seiner ganzen Generation. Überflüssig zu erwähnen, dass Positionsbestimmungen aller Art seine Hauptbeschäftigung ausmachen. In verschiedenen Graden von Sinnlosigkeit quält er sich mit unglücklichen Liebesgeschichten, patenteren Zeitgenossen, einem nach 19 Jahre wieder auftauchenden Erzeuger und der enervierenden Frau Mama herum, die im Laufe der Jahre zu viele Ersatzväter an ihm ausprobiert hat und am Ende des Buches erschöpft zu Grabe getragen werden muss. Goosens Kaleidoskop der kleinen und mittelschweren Katastrophen zeigt den ehemaligen Tresenleser von einer bislang unbekannten melancholischen Seite. Mit lakonischem Ton, der ihn auf den meisten der 300 Seiten vor übertriebenem Selbstmitleid bewahrt, entwirft er bescheidene, aber präzise und bildkräftige Miniaturen. Wer im Hamsterrad des Spätkapitalismus einen neuen Rundenrekord anpeilt, wird mit dem Buch sicher nicht viel anfangen können. Aber alle anderen wissen schon, wie´s gemeint ist.
Frank Goosen: Pink Moon, Eichborn, 19,90 €
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