| Georg Heym: Werke
Alles an ihm war Fragment – sein viel zu früh durch einen Schlittschuhunfall auf der Havel beendetes Leben und erst recht das in unzähligen Ansätzen, Entwürfen und Skizzen überlieferte Werk, dass nur bei einigen Gedichten so etwas wie Vollständigkeit und Abgeschlossenheit erreichte. Doch das Wenige, Zerstreute, scheinbar planlos in die Welt Geworfene reichte aus, um Georg Heym (1887-1912) zu einer Ikone des Expressionismus zu machen und manchen Leser vermuten zu lassen, der eigenwillige Dichter hätte auch gleich entscheidend zu dessen Überwindung beitragen können.
Die von Gunter Martens herausgegebene Studienausgabe bietet einen guten Überblick über das schmale Gesamtwerk Heyms und trennt erstmals die noch zu Lebzeiten publizierten Arbeiten von den Veröffentlichungen aus dem Nachlass. Besonderes Interesse verdienen - neben den berühmten Dämonisierungen von Natur und Stadt im Gedichtzyklus „Der ewige Tag“ - vor allem die textgenetische Darstellung ausgewählter Gedichte, aber auch die Zusammenstellung von Tagebucheintragungen, Traumaufzeichnungen und Briefen, die den Lesern eine Vielzahl persönlicher Eindrücke vermitteln. Allerdings sind nicht alle so spektakulär wie Heyms pathologische Abrechnung mit dem ungeliebten Juristenberuf, der offenbar den einzigen Vorteil hatte, ihn wieder in die Arme der Literatur zu treiben.
"Ich schlage meine –Scheiß-Arsch-Scheiß-Sau juristische Scheiße auf, es geht dann so eine Weile fort, immer gesenkten Hauptes durch die Scheiße durch, bis ich plötzlich gezwungen werde, zu dichten.“ Tagebuch, 18.11.1910
Kein Wunder also, dass Heym immer und unbedingt zeigen wollte, wie sehr er zu den Menschen gehörte, deren „Temperament und Art zu leben vielleicht etwas Neues ist, und möglicherweise Bote einer neuen Epoche ist“.
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