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Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion SWO über Georg Büchner

Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion

Goliarda Sapienza: In den Himmel stürzen / Die Signora

"Wenn wir wollen, dass alles bleibt wie es ist, dann ist es nötig, dass sich alles verändert.“ Die Erkenntnis, welche die zum Untergang verurteilte Adelsgesellschaft in Giuseppe Tomasi di Lampedusas Roman „Der Leopard“ ereilt, prägt auch die Protagonistin dieses monumentalen Epochen- und Sittengemäldes, für dessen Vollendung die Schriftstellerin Goliarda Sapienza einen Großteil ihres persönlichen Eigentums versetzt und sogar gestohlen haben soll.

thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion SWO über Georg Heym: Werke

Erscheinen durfte der zwischen 1967 und 1976 entstandene, vier Teile und rund 800 Seiten umfassende Roman „L´arte della gioia“ trotzdem erst nach dem Tod der Autorin im Jahr 1996, als man im südlichen Italien halbwegs sicher sein konnte, den Frontalangriff auf den gesellschaftlichen Status quo, jahrhundertealte Familientraditionen und Rollenklischees verkraften zu können. Wen wundert´s, schließlich spricht Sapienzas Heldin Modesta, ein im Jahr 1900 in einer Holzhütte geborene Armeleute-Kind, ihrem Namen Hohn und gibt sich mit fortschreitendem Alter alles andere als bescheiden.

Doch damit nicht genug. Modesta verspürt überdies nicht das geringste Bedürfnis darauf zu warten, dass sich alles verändert, sondern will lieber gleich selbst Hand anlegen. So entledigt sie sich diverser Widersacher auf endgültige und durchaus verbrecherische Weise und plant mit viel Raffinesse ihren rasanten Aufstieg, um schließlich aus vergleichsweise sicherer Distanz sozialistische Ideale zu pflegen.
Sapienzas Roman, der beim Aufbau-Verlag in zwei Bänden („In den Himmel stürzen“, Übersetzung: Constanze Neumann & „Die Signora“, Übersetzung: Esther Hansen) erschienen ist, geht weit über den politisch korrekten Bekenntnischarakter, der für ihre Zeit und Situation schon bemerkenswert genug wäre, hinaus. Mit ihrer knappen, außerordentlich präzisen und im wahrsten Sinne des Wortes viel sagenden Sprache zeichnet Sapienza ein facettenreiches Bild der italienischen (Sozial)Geschichte im 20. Jahrhundert, ohne den Antifaschisten, den Vorkämpfern der Emanzipation oder den Verkündern einer gerechteren Weltordnung auch für Irr- und Abwege noch einen Freifahrtschein auszustellen.

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