| Es wiegt ein gutes Kilo, ist kein bisschen handlich und als Sommerlektüre allemal ungeeignet. Wer versuchen möchte, Seite 10 mit Notizen und Kritzeleien sonstiger Art zu verzieren, landet schnell auf Seite 14, denn um mehr als 1.800 von diesen zwischen zwei Buchdeckel zu pressen, braucht es dünnes, wenn nicht gar hauchdünnes Papier.
Doch welche Nachteile wöge ein gediegener Inhalt nicht auf, und den gibt es reichlich in der neuen Suhrkamp Quarto-Ausgabe von Thomas Bernhards erst Österreich und dann die Welt bewegenden Romanen. Enthält die Monumentalausgabe doch gleich alle neun großen Prosawerke, die der streitbare Schriftsteller zwischen 1963 und 1986 zu Papier brachte - vom Erstling "Frost" bis zum Schlussakkord "Auslöschung". Wer die Bernhardschen Tiraden am Stück liest, mag von der fatalistischen Weltsicht - "Es sei ja das Hervorstechendste dieser Zeit, dass die Denker in ihr nicht mehr denken." (...) Die Gesellschaft sei nur für das dumpfe Dahindämmern, für sonst nichts." (Das Kalkwerk) - allerdings auf Dauer selbst in Mitleidenschaft gezogen werden. Darum empfiehlt es sich, hin und wieder zu einem der anderen Quarto-Bände zu wechseln. Nicht unbedingt zu Kafka, der bekanntlich gleichfalls depressive Schübe hervorrufen kann, aber vielleicht zu Bohumil Hrabal oder gar zu Marguerite Duras. Von der großen Französin gibt es gleich 16 bedeutende und spannend zu lesende Prosawerke in einem Buch, darunter natürlich auch die Welterfolge "Hiroshima mon amour" (1960) und "Der Liebhaber" (1984).
Thomas Bernhard: Die Romane, Frank Kafka: Die Romane, Marguerite Duras: Die Romane, Bohumil Hrabal: Die Romane Alle vier Bände sind bei Suhrkamp erschienen und kosten je 25 €.
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