| Theodor W. Adornos pointierte Behauptung, "nach Auschwitz sei es unmöglich geworden, Gedichte zu schreiben", hat den wohl bedeutensten Lyriker der deutschen Nachkriegszeit nur geärgert: "Kein Gedicht nach Auschwitz (Adorno): was wird hier als Vorstellung von ´Gedicht´ unterstellt? Der Dünkel dessen, der sich untersteht, hypothetisch-spekulativerweise Auschwitz aus der Nachtigallen- oder Singdrossel-Perspektive zu betrachten oder zu berichten." Paul Celan (1920-1980) wußte es besser. Er hatte genügend persönliche Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus, dem beide Eltern zum Opfer fielen, gemacht, um selbst entscheiden zu können, ob er Faschismus und Holocaust zum zentralen Thema seines Werkes machen wollte und konnte; und dass die sprachliche Umsetzung des nahezu Unbeschreiblichen für jeden Leser verständlich sein würde, hat er nie behauptet.
Um so erstaunlicher mutet die rückhaltlose Unterstützung der deutschen Feuilletons an, die in Celan die poetisch verbrämte Abrechnung und den politisch indifferenten Neuanfang vereint sahen. Bis dann die ersten Anzeichen eines möglichen Skandals auftauchten und die Witwe Ivan Golls ebenso haltlose wie effektive Plagiatsvorwürfe in die weite Welt setzte. Woraufhin der kaum verstandene, aber wirkungsvoll beworbene Paul Celan einer in diesem Fall nun wirklich ahnungslosen Menge zum Fraß vorgeworfen wurde und den Freitod in der Seine einem Leben unter Fremden vorzog.
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