| Wer nach bedeutenden Lyrikern des späten 20. Jahrhunderts fragt, der hört den Namen Sarah Kirsch als einen der ersten. Und in 100 Jahren, wenn Ulla Hahn noch immer auf der Suche nach sich selbst ist, wird das möglicherweise noch immer so sein. Ein Grund dürfte in Kirschs gelungenem Versuch liegen, ihre Gegenwartserlebnisse in eine Sprache zu übertragen, die hochpoetisch, aber auch äußerst präzise ist und auf den Leser gleichermaßen emotional und rational wirken kann.
Zum 65. Geburtstag der im Harzstädtchen Limlingerode geborenen Künstlerin, die 1977 im Zuge der Biermann-Ausbürgerung die DDR verließ, ist jetzt die erste Gesamtausgabe ihrer Werke erschienen. Die fünf Bände enthalten die berühmten Lyrikzyklen "Rückenwind" (1977), "Drachensteigen" (1979) und "Erlkönigs Tochter" (1992), aber auch zahlreiche Prosaarbeiten, die in den vergangenen 20 Jahren entstanden sind. Zu den bekanntesten gehören "Irrstern"(1986), "Allerlei-Rauh" (1988) und "Schwingrasen"(1991). Dass die einzigartigen Naturschilderungen Sarah Kirschs mit steter Regelmäßigkeit im Mittelpunkt der Betrachtung stehen, sollte übrigens nicht zu dem durchaus falschen Eindruck, es handele sich eine unpolitische Autorin. Das Gegenteil ist der Fall. Eine liebevoll gestaltete, absolut lesenswerte Ausgabe!
Sarah Kirsch: Werke in fünf Bänden, dtv, 76,00 €
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