| Dabei war der große Sohn der Stadt eigentlich ein Zuwanderer. Die Familie hatte ihre Wurzeln in der früheren Hansestadt Buxtehude, der Vater Johannes stammte aber bereits aus Oldesloe und zog Mitte des 17. Jahrhunderts nach Dänemark, um eine einträgliche Stelle als Organist zu finden. Dass er hier die Dänin Helle Jespers Daater heiratete und ihr gemeinsamer Sohn Dieterich 1637 in Helsingborg geboren wurde, gilt heute als wahrscheinlich, lässt sich aber nicht mehr zweifelsfrei nachweisen. Feststeht dagegen, dass Dieterich wie schon sein Vater das Organistenamt an der Marienkirche in Helsingborg übernahm, dann zu annähernd verdreifachten Bezügen nach Helsingör wechselte und sich schließlich als Nachfolger des verstorbenen Franz Tunder in Lübeck bewarb.
Im April 1668 wurde Dieterich Buxtehude zum Organisten und Werkmeister an der Lübecker Marienkirche bestimmt, legte wenig später den Bürgereid ab und heiratete im Spätsommer Tunders Tochter Anna Margaretha. Auch das war Teil des Geschäfts. Knapp vier Jahrzehnte später bekam Johann Christian Schieferdecker den begehrten Posten, nachdem er die Tochter seines Vorgängers, an deren Ehelichung Mattheson und Händel „nicht die geringste Lust bezeugten“, vor den Traualtar geführt hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte Buxtehude allerdings längst neue und ganz andere Maßstäbe gesetzt - als Orgelvirtuose und Komponist, aber auch als Initiator der legendären „Abendmusiken“, bei denen außerhalb des Gottesdienstes große Oratorien, Konzerte oder Kantaten zur Aufführung gelangten. Dass Lübeck weit über die Stadtgrenzen hinaus für seine Kirchenmusik bekannt wurde, war in erster Linie Buxtehudes Verdienst, der alle gängigen Formen und Stile souverän beherrschte, Einflüsse aus ganz Europa aufnahm und konstruktiv verarbeitete und sich darüber hinaus noch als experimentierfreudiges Improvisationstalent erwies. Der Tastenmagier und Dirigent Ton Koopman, der nach seiner epochalen Bach-Ausgabe derzeit an einer Gesamtaufnahme sämtlicher Buxtehude-Werke arbeitet, staunt immer wieder, „was für ein wilder Hund dieser Buxtehude ist.“ Koopman will der Musikwelt nun demonstrieren, dass sie es hier mit einem „eigenständigen, großartigen, genialen Komponisten“ zu tun hat, der den Vergleich mit bekannteren Namen nicht zu scheuen braucht. Die faszinierenden Einspielungen, die der Spezialist für historische Aufführungspraxis von Buxtehudes einziger vollständig erhaltener Abendmusik, dem Oratorium „Das jüngste Gericht“, oder den anspruchsvollen Kompositionen für Cembalo bereits vorgelegt hat, belegen diese Einschätzung hinlänglich.
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