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Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion SWO über Anton Cechov


Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion

Unerbittlicher Beobachter und mitfühlender Zeitgenosse

Vor 100 Jahren starb Anton Cechov

Auf die Frage, was das Leben eigentlich ausmacht, hatte auch er keine überzeugende Antwort: „Das ist, als wollte man fragen: was ist eine Mohrrübe? Eine Mohrrübe ist eine Mohrrübe, mehr ist dazu nicht zu sagen.“ Dass seine Zeitgenossen einen Großteil ihres Erdendaseins sinnlos verstreichen ließen, wusste Anton Cechov, der am 15. Juli 1904 in Badenweiler starb, allerdings genau. Unermüdlich schrieb er gegen die Treibhausatmosphäre an, die im zaristischen Russland politische und gesellschaftliche Reformen erstickte, weil sie sich im phlegmatischen Desinteresse der wirtschaftlich Abgesicherten ebenso pausenlos regenerieren konnte wie in der verzweifelten Ohnmacht der sozial Deklassierten. Den Menschen, die anderen das Heft ihres Handels überließen, hielt Èechov mit seinen Prosa- und Bühnenwerken einen unerbittlichen Spiegel vor: „Ich wollte den Menschen ehrlich sagen: Seht, wie schlecht und langweilig ihr lebt.“

Mit diesem Vorhaben traf er nicht nur die Stimmung seiner Zeit, sondern auch den Nerv späterer Epochen. Bis heute zählt Anton Èechov zu den meistgelesenen und meistgespielten russischen Schriftstellern.

Anton Pavlovic Cechov wird am 29. Januar 1860 in Taganrog am Schwarzen Meer als drittes von sieben Kindern geboren. Obwohl die Familie finanziell nicht auf Rosen gebettet ist und der Nachwuchs regelmäßig im elterlichen Kolonialwarengeschäft aushelfen muss, wird ihm der Besuch eines Gymnasiums ermöglicht, den er 1879 mit dem Abitur abschließt.

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