| Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion
Deutsche Dramen von Hans Sachs bis Arthur Schnitzler
Voluminöses Literatur-Kompendium auf einer CD-ROM
Was so unscheinbar klingt und auf einer kleinen Silberscheibe Platz findet, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als eine der spektakulärsten und verdienstvollsten Literatureditionen seit langer Zeit. Denn diese CD-ROM versammelt auf unfassbaren 70.000 Bildschirmseiten rund 500 Theaterstücke von über 170 Autorinnen und Autoren aus fünf Jahrhunderten.
Dabei setzt die Zusammenstellung nicht nur auf große Namen und deren weltbekanntes Oeuvre, obwohl Goethe, Schiller und Kleist, Lessing, Büchner oder Hebbel mit ihren wichtigsten Werken natürlich vertreten sind. Den Status des Außergewöhnlichen gewinnt die von Markus Finkbeiner herausgegebene Auswahl aber durch die Hinzuziehung heute vergessener, ehemals überaus erfolgreicher oder doch wenigstens in Fachkreisen rege diskutierter Werke, die irgendwann aus dem Kanon der literaturgeschichtlichen Überlieferung gedrängt wurden. Wer diesen Texten nachspürt, begibt sich auf eine schier endlose Entdeckungsreise, die von Pamphilus Gengenbachs „Die zehn Alter dieser Welt“ (1515) über August Adolph von Haugwitz´ "Schuldige Unschuld oder Maria Stuarda" (1669), Otto Heinrich von Gemmingen-Hornbergs "Der deutsche Hausvater oder die Familie" (1780) und Karl Friedrich Henslers "Die Teufelsmühle am Wienerberg" (1799) bis zu Josef Viktor Widmanns "Maikäfer-Komödie" (1896), Oskar Blumenthals "Im weißen Rößl" (1898) oder Carl Hauptmanns Trilogie "Die goldnen Straßen" (1919) führen und fast beliebig viele weitere Stationen berücksichtigen kann. Die Autorinnen und Autoren werden durch Abbildungen und eine Kurzbiografie vorgestellt, außerdem finden sich Hinweise zu den Entstehungszeiträumen bzw. zu Erstdrucken und Uraufführungen. Darüber hinaus ist die bislang umfangreichste digitale Sammlung deutschsprachiger Dramen mit einer komfortablen Suchfunktion ausgestattet. Es versteht sich von selbst, dass auch diese Publikation noch Wünsche offen lässt, weil beispielsweise Gerhart Hauptmann keinerlei Berücksichtigung findet. Auf der anderen Seite befriedigt sie die Neugier und Sammelleidenschaft berufsbedingter und privat ambitionierter Literaturfreunde in so eminentem Ausmaß, dass sich ernsthafte Beanstandungen eigentlich verbieten. Außerdem bleibt es den Betrachtern unbenommen, den Verlag mit Ergänzungsvorschlägen zu erfreuen ....
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