| Erstveröffentlichung: Rheinischer Merkur; Fotos: Klaus Fröhlich.
Saisonauftakt einmal anders: Osnabrück verzichtet auf Klassiker und Geheimtipps und startet mit einem Festival für zeitgenössisches Theater in die neue Spielzeit
Im Foyer eines mittelstädtischen Theaters haben leibhaftige Dichter eher Seltenheitswert. Umso zahlreicher finden sich die Besucher an diesem sonnigen Septembermorgen im Vorraum des Osnabrücker Musentempels ein. Schließlich gibt es hier ein ganzes Dutzend Damen und Herren zu bestaunen, die ihre Zeit allen Ernstes mit dem Schreiben von Theaterstücken verbringen. Zum gemeinsamen Frühstück mit dem verehrten Publikum erscheinen auch Regisseure, Ausstatter, Schauspieler und natürlich Intendant Holger Schultze, der seine erste Saison in der niedersächsischen Provinz mit einem Festival namens „Spieltriebe“ eröffnet, das in dieser Form bundesweit einmalig ist.
Auf dem ambitionierten Programm stehen zwölf Ur- und Deutsche Erstaufführungen, Einblicke in die Arbeit des Tanztheaterchefs Marco Santi, der schon für die Bayerische Staatsoper, das Staatstheater Stuttgart und die Salzburger Festspiele gearbeitet hat, sowie Ausschnitte aus zwei Opern, die in den nächsten beiden Jahren in Osnabrück ihre Weltpremiere erleben sollen. Von Freitag bis Sonntag wird der Festival-Spielplan drei Mal wiederholt. So haben die Besucher eine halbwegs realistische Chance, die in der ganzen Stadt verteilten Aufführungsorte im Laufe des Wochenendes zu besuchen und sich selbst vom ordnungsgemäßen oder kritikwürdigen Zustand des zeitgenössischen Theaters zu überzeugen.
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