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Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion SWO über Ilse Frapan


Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion

Ilse Frapan: Zwischen Elbe und Alster

Stattdessen gründete sie den schweizerischen Frauenrechtsschutzverein, die Zürcher Vereinigung für Kinderschutz und schrieb weiterhin Novellen, aber auch politisch brisante Texte wie den 1899 veröffentlichten Roman „Wir Frauen haben kein Vaterland“, dem drei Jahre später der Roman „Arbeit mein Opium“ folgte, welcher zunächst nur in gekürzter und zensierter Form erscheinen konnte. Kein Wunder also, dass der Nachwelt viele Details ihres ereignisreichen Lebens durch die Akten der Hamburger Polizeibehörde überliefert wurden, die stets ein wachsames Auge auf die unangepasste Mitbürgerin hatte.

Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion SWO über den Theaterverbund Altenburg/Geraa Roche

Um die Jahrhundertwende verliebte sich Ilse Frapan in den 20 Jahre jüngeren Journalisten und Schriftsteller Iwan Akunoff, der sich „Akunian“ nannte und mit ihr und Emma mehrere Jahre lang eine menage a trois bildete. Das Trio unternahm zahlreiche Reisen, u.a. in Akunians Heimat Armenien, die Frapan leidenschaftlich gegen die Türkei in Schutz nahm.
Als Akunians Vater in Baku ermordet wurde, kehrte ihr Lebensgefährte zu seiner Familie zurück. Ilse Frapan, die mittlerweile auch zwei Dramen – „Phitje Ohrtens Glück“ (1902) und „Die Retter der Moral“ (1905) – geschrieben und mit ihren Prosatexten endlich ein größeres Publikum erobert hatte, erfuhr am 2. November 1908, dass sie unheilbar an Magenkrebs erkrankt war. Genau einen Monat später wählten die beiden Frauen den Freitod. Emma Mandelbaum erschoss erst die geliebte Freundin und tötete sich anschließend selbst.

„Die Last“ ist die umfangreichste Novelle der Sammlung „Zwischen Elbe und Alster“, die erstmals 1890 erschien. Durch die erwähnte Vermittlung von Paul Heye war sie zuvor im „Deutschen Novellenschatz“ und in der „Deutschen Rundschau“ veröffentlicht worden.

Der Leser wird Zeuge eines Eifersuchtsdramas aus dem Hamburger Arbeitermilieu, in dessen Verlauf sich die Aggression des vermeintlich betrogenen Mannes nicht gegen die abgöttisch geliebte Frau, sondern gegen den verhassten Nebenbuhler richtet. Frapans Erzählweise besticht wie in vielen ihrer heute vergessenen Novellen durch die genaue Beobachtungsgabe, die sich in zeittypisch naturalistischen Beschreibungen ausdrückt, aber immer wieder symbolträchtige Verdichtungen erfährt.

So blicken die „hohen grauen nüchternen Häuser“ im düsteren Stadtteil Hammerbrook „philisterhaft mürrisch“ vor sich hin und geben sich ein „heuchlerisch friedfertiges, unanfechtbares Aussehen“ als hätten sie „eine besondere Abneigung gegen Trunkenheit, Faustkämpfe, Zusammenrottungen und Messerstiche (...).“ Mitunter gehen Frapan allerdings auch die metaphorischen Pferde durch - wenn sie etwa den Mörder den peinigenden Vorstellungen des eigenen Schuldgefühls aussetzt, während im nahe gelegenen Gefängnis ein verurteilter Schwerverbrecher auf seine Hinrichtung wartet.

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