| Pünktlich zum rentennahen Jubiläum darf sich Franz Xaver Kroetz, der heute in seiner Geburtsstadt München, im Chiemgau und auf Teneriffa lebt, also in die Sturm- und Drangperiode zurückversetzt fühlen. Denn am Theater ging sein Stern auf, nachdem er der Wirtschaftsoberrealschule und dem Elternhaus frühzeitig den Rücken kehrte. Allerdings nicht sofort, denn der Schauspielunterricht in der bayerischen Landeshauptstadt, den er am Max-Reinhardt-Seminar in Wien fortsetzte, führte zunächst nicht zu den gewünschten Engagements. Kroetz improvisierte und lernte auf dem Großmarkt, als Kraftfahrer und Pfleger einen Teil der Menschen kennen, die bald darauf seine Dramen bevölkern sollten.
1971 betraten sie die Bühne, in dem Skandalstück „Wildwechsel“ ebenso wie in den Einaktern „Heimarbeit“ und „Hartnäckig“, die an den Münchner Kammerspielen für regelrechte Tumulte sorgten. Kroetz, der sich zeitweilig der Deutschen Kommunistischen Partei anschloss, zeigte die schmutzige Rückseite des Wirtschaftswunders, bei ihm ging es um Armut und Gewalt, Abtreibung, Mord und sexuelle Hörigkeit. Doch das Ganze wurde nicht mit erhobenem Zeigefinder vorgetragen, Kroetz veranstaltete auch kein Agit-Prop-Theater für Besserverdienende, sondern versuchte – streckenweise mit beachtlichem Erfolg – das einfache Volksstück wiederzubeleben und mit seinen Werken und Thesen ein breites Publikum zu erreichen
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