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Christian Tepe über Herbert Marcuse

Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion

Gastbeitrag von Christian Tepe

Herbert Marcuse: Zur Aktualität eines unzeitgemäßen Philosophen

Verdienstvolle Neuauflage der Schriften des vor 25 Jahren verstorbenen Gesellschaftskritikers

Auf dem Höhepunkt seines Ruhmes sprach man gerne von den „3M“: Marx, Mao, Marcuse. In der Öffentlichkeit wurde er als Mentor der 68er-Bewegung wahrgenommen. Den Mai 1968 erlebte Marcuse tatsächlich in Paris. Seine Begriffsschöpfungen wie „Repressive Toleranz“, „Affirmative Kultur“ oder „Neue Sensibilität“ reüssierten als Kampflosungen der internationalen emanzipatorischen Bewegung. Während seine Mitstreiter vom Institut für Sozialforschung wie Theodor W. Adorno längst würdevoll auf den Philosophen-Olymp befördert wurden oder wie der jüngere Jürgen Habermas zu Staatsphilosophen avanciert sind, haftet Herbert Marcuse immer noch der gar nicht mehr zeitgemäße Ruch eines Theoretikers der konkreten Revolution an.

Christian Tepe über Herbert Marcuse

Nichts scheint einer Gesellschaft, die für den großen Globalisierungskrieg rüstet und sich dabei von ihren humanen Mindeststandards in allen Lebensbereichen - Bildung, Arbeit, Soziales - verabschiedet, weniger gut anzustehen als die Erinnerung an einen Philosophen, der für eine Gesellschaft ohne Konkurrenz, Effizienzkult und Leistungsdenken plädiert. Und doch ist gerade das Unzeitgemäße oft genau dasjenige, dessen das Zeitalter dringend als seines Korrektivs bedarf. Zum 25. Todestag Marcuses hat deshalb der zu Klampen Verlag die seit Jahren vergriffene, vormals bei Suhrkamp erschienene neunbändige Ausgabe seiner Schriften wieder zugänglich gemacht.

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