| Erstveröffentlichung: Rheinischer Merkur"
Kopenhagen, 3. April 1869: Im Königlichen Theater versammeln sich zahlreiche Musikfreunde, Journalisten und berühmte Zeitgenossen, um der Uraufführung eines neuen Klavierkonzerts beizuwohnen. Die dänischen Tonsetzer Niels W. Gade, August Winding und Johann Peter Emilius Hartmann harren der Dinge, die da kommen werden, und auch der legendäre Anton Rubinstein will sich das Ereignis nicht entgehen lassen. Nur der Komponist ist der Aufführung ferngeblieben. Edmund Neupert, Solist und Widmungsträger des Konzerts, berichtet ihm später: „Der Triumph, den ich feierte, war wahrlich großartig. Schon nach der Kadenz im ersten Teil, brach das Publikum in einen wahren Sturm aus. Die drei gefährlichen Kritiker Gade, Rubinstein und Hartmann saßen oben in der Loge und applaudierten aus Leibeskräften.“
Der Erfolg kommt zur rechten Zeit, denn für Edvard Grieg steht in den späten sechziger Jahren einiges auf dem Spiel. Als Komponist hat er sich noch nicht durchsetzen können, obwohl der 1843 in Bergen geborene Sohn eines angesehenen Kaufmanns und einer hochbegabten Pianistin und Sängerin die denkbar günstigsten Voraussetzungen mitbringt. Doch die Inspirationen und Erkenntnisse, die er dem Studium am weltberühmten Konservatorium in Leipzig verdankt, lassen sich vorerst nur bedingt mit dem Bedürfnis verknüpfen, die musikalischen Wurzeln der norwegischen Heimat aufzuspüren und seinen eigenen, unverwechselbaren Stil zu finden.
Außerdem hat er sich in Leipzig ein schweres Lungenleiden zugezogen, das seine Gesundheit fortan immer wieder beeinträchtigen wird, und der Gefühlshaushalt gerät bald ebenfalls durcheinander. Als Edvard Grieg seine Kusine Nina Hagerup näher kennen und lieben lernt, stellen sich die Eltern gegen das junge Paar. “Er ist nichts, er kann nichts, und er schreibt Musik, die keiner hören will“, befindet die Tante und spätere Schwiegermutter Adeline. Kein Wunder also, dass der Geschmähte eines Tages zu der Einsicht kommt, das Leben sei so „eigenartig“ wie die Volkslieder, mit denen er sich, angeregt durch den Geigenvirtuosen Ole Bull oder den Freund Rikard Nordraak, Komponist der späteren Nationalhymne, intensiv beschäftigt: „Man weiß nicht, ob sie in Dur oder Moll gedacht sind.“
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