| Immerhin entpuppt sich Norwegens erste Theaterregisseurin Adeline Hagerup als schlechte Prophetin. Nach dem rauschenden Erfolg des Klavierkonzerts in a-moll bekommt ihr ungeliebter Schwiegersohn ein Stipendium für einen Studienaufenthalt in Rom, wo er den vergötterten Franz Liszt trifft.
Dessen Wohlwollen öffnet ihm Türen, durch die Grieg zunächst mit der gewohnten Skepsis lugt: „Wenn Liszt klatscht, dann klatschen alle, einer lauter als der andere!“ Doch der Erfolg im Ausland stärkt auch seine Position in Norwegen.
Der große Bjørnstjerne Bjørnson möchte mit ihm zusammenarbeiten, inspiriert Grieg unter anderem zu der Bühnenmusik „Sigurd Jorsalfar“, und dann wartet kein Geringer als Henrik Ibsen mit einem folgenreichen Vorschlag auf. Auch er sucht eine klingende Eskorte für ein symbolträchtiges Schauspiel, und obwohl Grieg sich mit dem „unmusikalischsten aller Themen“ konfrontiert sieht und ihn das ganze Projekt erklärtermaßen „nicht interessiert“, entwirft er eine Partitur, die ungleich berühmter wird als ihr literarischer Anlass. In einer noch fernen Zukunft gehört sie zu den populärsten Kompositionen überhaupt, und wer mit „Peer Gynt“ selbst nichts anfangen kann, kennt die „Morgenstimmung“ wenigstens aus der Werbung, „Solveigs Lied“ von nachdenklichen Abenden am Kamin oder die „Halle des Bergkönigs“ in der Version des Schauspielers Peter Lorre, der die Melodie in „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ pfeifend zum Besten gibt, lange bevor sich Rockbands wie Savatage, Rainbow oder Apocalyptica dafür begeistern können.
Für Edvard Grieg läutet die Schauspielmusik, die er alsbald in zwei Konzertsuiten herausgibt, eine Phase künstlerischer Produktivität und finanzieller Sicherheit ein. Er zieht sich an den idyllischen Hardanger Fjord zurück, baut später die malerische Villa Troldhaugen und schreibt eine Reihe von Werken, die den auch politisch aktiven Künstler endgültig zum Nationalkomponisten machen. Neben der heiteren Suite „Aus Holbergs Zeit“ entsteht Romantisches mit dem für Grieg so typischen melancholischen Bodensatz - ein Großteil der „Lyrischen Stücke“ für Klavier, das geheimnisvolle „Streichquartett in g-moll“, Klaviersonaten und zahlreiche Lieder. Zusammen mit seiner Frau, die sich als Sängerin einen Namen gemacht hat, gastiert Grieg in Stockholm, Wien, Warschau, Amsterdam, Paris und London. Er lernt Peter Tschaikowsky, Johannes Brahms, Frederic Delius oder Camille Saint-Saens kennen, muss sich aber auch regelmäßig mit giftigen Attacken auseinandersetzen.
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